News 2017

1. TELnet@NRW-Kongress: Expertise steht per Televisite und -konsil zur Verfügung

April, 2018

TELnet@NRW Kongress Gruppenfoto (Foto: ZTG)

TELnet@NRW Kongress Gruppenfoto (Foto: ZTG)

 

Quelle: Klaus Dercks / Westfälisches Ärzteblatt – – Zur Halbzeit ist die Stimmung bei den Projektverantwortlichen bestens: Seit „TELnet@NRW“ im Februar 2017 startete, wurden bereits über 30.000 Patienten erfasst und telemedizinisch betreut. Expertise in Infektiologie und Intensivmedizin aus den Universitätsklinika Münster und Aachen steht seither Patienten in Krankenhäusern und Arztpraxen sektorübergreifend per Televisite und Telekonsil zur Verfügung. „Alle zeigen Teamgeist, ein großer, NRW-weiter Verbund ist entstanden“, freute sich Prof. Dr. Gernot Marx, Konsortialführer des Projekts und Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care an der Uniklinik RWTH Aachen, beim ersten „TELnet@NRW“-Kongress in Münster über den gelungenen Start des Projekts, zu dessen Partnern auch die Ärztekammern Westfalen-Lippe und Nordrhein gehören.

 

„Woanders sind Innovationen schon Realität, wir müssen Gas geben“, mahnte Marx, dass telemedizinische Möglichkeiten in anderen europäischen Ländern längst stärker genutzt würden als in Deutschland. Aus dem vom Innovationsfonds finanzierten Projekt gingen Impulse für die Verbesserung der Versorgung aus: Infektiologie und Intensivmedizin, die beiden thematischen Schwerpunkte des TELnet@NRW-Projektes, böten durch die Nutzung telemedizinischer Möglichkeiten einen Nutzen für den Patienten, der sich auch in die Regelversorgung übertragen lasse, erläuterte Marx. In den Projektregionen Aachen und Köln werde durch Televisiten und Telekonsile eine wohnortnahe und bedarfsgerechte Versorgung auch für die Patienten von 17 peripher gelegenen Krankenhäusern und Arztpraxen in Praxisnetzen in Köln und Bünde ermöglicht.

 

Ziel ist dabei die Unterstützung sektorenübergreifender Zusammenarbeit, die unter anderem zur Optimierung von Antibiotikaverordnungen und zur Reduktion von Sepsis-Sterblichkeit beitragen soll. „Hier steht nicht nur Innovation drauf, es ist auch Innovation drin“, war Prof. Dr. Dr. Robert Nitsch, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Münster, als Gastgeber der Konferenz überzeugt. „Patienten, gerade im ländlichen Raum, bekommen so die Versorgung, die ihnen zusteht“, benannte er Chancen des Einsatzes von Telemedizin. Als Maximalversorger mit einem Einzugsbereich vom nördlichen Münsterland bis ins Sauerland fühle sich das Universitätsklinikum der Versorgung des ländlichen Raums besonders verpflichtet.

 

Mit drei Live-Schaltungen konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz ein Bild der praktischen Arbeit bei Televisite und Telekonsil machen. Im Gespräch mit den Kollegen im Jakobi-Krankenhaus Rheine, dem Josephs-Hospital Warendorf und einer HNO-Praxis in Bünde wurde deutlich, dass dank Videoübertragung der visuelle Eindruck des Patienten bei der Televisite eine bessere Beurteilung seines Falles ermöglicht als dies in einem kollegialen Telefongespräch der Fall sei. Auch sei die kollegiale Vertrauensbasis und Verbindlichkeit eine andere als am Telefon. „Telemedizin ist keine Einbahnstraße“, betonte Dr. Christian Lanckohr (Universitätsklinikum Münster), dass Ärzte auf beiden Seiten voneinander lernten und profitierten. Beeinflusst es die ärztliche Arbeit, wenn ein Kollege von außerhalb per Videoschaltung im Beisein des Patienten hinzugezogen wird? Während Prof. Marx den „SchwiegermutterEffekt“ ins Feld führte – die Aussicht, von außen beobachtet zu werden, erhöhe die Motivation, etwas besonders gut zu machen –, berichtete Dr. Barbara Sauerzapfe vom Franziskus-Hospital Aachen aus ihren Projekterfahrungen, dass Patienten und Angehörige das Hinzuziehen externer Expertise positiv bewerteten.

 

„Absolut auf Augenhöhe“ verliefen die Kontakte mit den Kolleginnen und Kollegen der Universitätsklinika, versicherte Dr. HansJürgen Beckmann, Vorstand des Praxisnetzes Medizin und Mehr in Bünde. Für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sei positiv, dass ein Telekonsil bei „TELnet@NRW“ mit sehr überschaubarem technischen Aufwand verbunden sei – „ein Notebook und eine Kamera“. Das Videogespräch müsse allerdings organisatorisch geschickt in den Praxisalltag eingebunden werden. Patienten hätten mitunter wenig Verständnis, wenn der Arzt sich während der Sprechstunde für ein Konsil zurückziehe. Einen Ausblick auf mögliche Veränderungen des Gesundheitswesens durch die Digitalisierung hatte zuvor beim TELnet@nrw-Kongress Christian Baudis gegeben. Der ehemalige Chef von Google Deutschland skizzierte eine Welt, in der durch maschinelles Lernen immer leistungsfähigere Systeme eine immer größere Flut an Gesundheitsdaten für die Patienten nutzbar machten. Es gehe generell nicht darum, den Arzt zu ersetzen. Doch könnten Supercomputer beispielsweise im Bereich der Zweitmeinung eine wichtige Rolle spielen.