Presse - Januar 2017

KTM - Krankenhaus Technik + Management 1-2/2017, Seiten 55-56

DGTelemed - Deutsche Gesellschaft für Telemedizin - Verbandsinformationen

Teleneurologie – Stand und Perspektiven in Deutschland

Die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin plant ein neues Veranstaltungsformat: Am 23. und 24. Juni findet in Erfurt/Thüringen der 1. Deutsche Teleneurologie Kongress statt. Erstmalig wird in Zusammenarbeit mit einer Klinik eine medizinische Disziplin unter dem Gesichtspunkt telemedizinischer Anwendungsmöglichkeiten beleuchtet. Das Thema Schlaganfall genießt in der Neurologie aufgrund der hohen Prävalenzrate und der schwerwiegenden Folgeschäden besondere Aufmerksamkeit. Deshalb befasst sich auch die Teleneurologie intensiv mit diesem Krankheitsbild und versucht, mit Erkenntnissen über den Einsatz moderner Technologien einen Teil zum medizinischen Fortschritt auf dem Gebiet der Neurologie beizutragen.

Seit fast fünf Jahren existiert in Thüringen das Schlaganfall-Telemedizin-Netzwerk ,Satelit‘. Es konnte in dieser Zeit zeigen, dass telemedizinische Entwicklungen und Anwendung helfen können, mittels computergestützter Kommunikations- und Netzwerktechnologien zur Verbesserung der Versorgungsqualität bei neurologischen Erkrankungen beizutragen. Da es neben der akuten Schlaganfallbehandlung auch eine Vielzahl weiterer telemedizinischer Anwendungsszenarien in der Neurologie gibt, will die DGTelemed in Kooperation mit der Hans-Berger-Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Jena mit dem 1. Deutschen Teleneurologie Kongress die gesundheitspolitische und gesellschaftspolitische Bedeutung der Telemedizin in der Neurologie unterstreichen.

Der Kongress wendet sich an Klinikvertreter, Ärzte, Pflegemitarbeiter, Therapeuten und Kostenträger sowie Unternehmen, die sich für aktuelle medizinische Entwicklungen im Bereich der Neurologie, Rehabilitation und Nachsorge interessieren. Im Fokus wird die Telemedizin als wichtiges Anwendungsfeld in der Schlaganfallversorgung stehen. Aber auch andere neurologische Einsatzgebiete wie Schwindel, Morbus Parkinson oder Epilepsie werden beleuchtet. Darüber hinaus werden telemedizinische Produkte und neue Entwicklungen in einer begleitenden Industrieausstellung präsentiert. Veranstalter und Organisatoren laden dazu ein, am 23. und 24. Juni 2017 im Congress Center der Messe Erfurt als Teilnehmer, Aussteller oder Sponsor mit dabei zu sein, wenn Mediziner und Telemedizinexperten erstmals Telemedizin im gesamten Spektrum der Neurologie diskutieren.
www.dgtelemed.de

DGTelemed verstärkt Aktivitäten in Hessen

Im vergangenen Jahr fand erneut der eHealth-Kongress 2016 statt. Die Veranstaltung in der Industrieund Handelskammer Frankfurt am Main stand unter dem Motto ,Vernetzte Gesundheit in Rhein-Main und Hessen‘ und hat sich zu einer Plattform für Krankenhäuser, Ärzte, Kostenträger, Politik sowie Unternehmen und Dienstleister der Gesundheitsbranche entwickelt. Die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin unterstützte die Kongressveranstaltung als Partner und war auch als Aussteller vor Ort. Aktive Mitglieder der Gesellschaft sind aktuell bemüht, weitere Interessenten für die DGTelemed zu gewinnen. Die neuen Mitglieder der Gesellschaft, das Krankenhaus Nordwest und die Intersystems GmbH, sind das Ergebnis dieser Aktivitäten.

Erneute Förderung der Telemedizin

Das Zentrum für Telemedizin (ZTM) des Landkreises Bad Kissingen ging im Sommer 2012 an den Start. Die Geschäftsstelle wurde im Rhön-Saale Gründer- und Innovationszentrum in Bad Kissingen eingerichtet. In der Schaltzentrale werden regionale telemedizinische Ansätze gebündelt.
Ziel des ZTM ist es, die neuen Informationstechnologien in den Alltag von Ärzten, Kliniken und Patienten zu integrieren. Das Zentrum erhielt bisher insgesamt fast 1,9 Millionen Euro an Fördermitteln. Gesundheitsministerin Melanie Huml erklärte auf An frage, dass der Freistaat eine institutionelle Förderung an strebe. Die Höhe hänge vom Bedarf, möglichen Drittmitteln und den Haushaltsmitteln ab. Zum ZTM ge hört das mit der Rhön Klinikum AG und dessen Neurologischer Klinik in Bad Neustadt begründete Projekt ,TeleView für Flüchtlinge‘. Ärzte mit Migrationshintergrund halten per Videokonferenz ehrenamtlich Sprechstunden für Flüchtlinge in deren Muttersprache ab. Wie be deutend TeleView ist, zeigt die Verleihung des Telemedizin Preises 2016 durch die DGTelemed im November letzten Jahres in Berlin.

Telemonitoring bei Bluthochdruck

Die Deutsche Hochdruckliga hat im Rahmen des 7. Nationalen Fachkongresses Telemedizin im November 2016 in Berlin die Aktivitäten der neuen Kommission ‚Telemedizin und E-Health‘ vorgestellt. Deren Experten werben für eine zeitlich befristete Überwachung von Problempatienten. Dr. Egbert Schulz vom Nephrologischen Zentrum Göttingen betonte in seinem Vortrag, dass etwa 20 bis 30 Millionen Bundesbürger heute unter Bluthochdruck leiden. Das ist fast jeder Dritte in Deutschland. Beim Bluthochdruck-Telemonitoring geht es nicht um eine elektronische Langzeitüberwachung, sondern vielmehr um eine etwa achtwöchige Kontrolle von Patienten in besonderen Therapiesituationen. Gut geeignet seien Patienten mit komplexer Therapieumstellung, mit therapieresistenter Hypertonie oder mit Auslassversuchen, außerdem Patienten mit hypertensiven Krisen, denen auf diese Weise ein stationärer Aufenthalt erspart werden kann sowie Frauen mit erhöhtem Risiko für hypertensive Schwangerschaftskomplikationen. Gemessen wird mit Blutdruckmessgeräten, die über eine eigene SIMKarte verfügen und die Daten automatisch (ohne Mobiltelefon) in einen Webspeicher übertragen. Über eine Integrationsplattform können Ärzte über ihre Praxis-IT direkt auf diese Daten zugreifen.

KBV und GKV-Spitzenverband vereinbaren Vergütung für teleradiologische Konsile

Telekonsile bieten die Möglichkeit, eine zweite ärztliche Meinung einzuholen oder fachärztliche Kollegen um Rat zu fragen, wenn die Fragestellung nicht zum eigenen medizinischen Fachgebiet gehört. Dies erleichtert einen schnellen ärztlichen Austausch. Mit dem 2016 verabschiedeten E-Health-Gesetz wurde beschlossen, dass Telekonsile zur Befundbeurteilung von Röntgen- und CT-Bildern ab April 2017 vergütet werden. Nun haben sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der GKV-Spitzenverband in Berlin auf die Höhe der Vergütung geeinigt. Laut KBV gibt es vier neue Gebührenordnungspositionen für den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM), der die Höhe der Vergütung im ambulanten Sektor quantifiziert. Ärzte können demnach etwa für das Einholen einer telekonsiliarischen Befundung von Röntgen- und/oder CT-Aufnahmen GOP 34800 abrechnen und erhalten dafür 9,58 Euro.

Intersektorales telemedizinisches Netzwerk zur Verbesserung der wohnortnahen Versorgung

Rund 50.000 Patienten sollen von einem neuen Projekt in Nordrhein-Westfalen profitieren, das den sektorenübergreifenden Aufbau telemedizinischer Netzwerke im Bereich Intensivmedizin und Infektiologie fördert. Dafür stehen aus dem Innovationsfonds 20 Millionen Euro zur Verfügung, erklärte Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens bei der Vorstellung der Initiative. Das Projekt TELnet@NRW baut ein sektorenübergreifendes telemedizinisches Netzwerk als neue digitale Versorgungsform auf. Beispielhaft implementiert in Infektiologie und Intensivmedizin wird zusätzliche ärztliche Expertise und Kompetenz bedarfsgerecht, hochverfügbar und kosteneffizient am notwendigen Ort zur Verfügung gestellt. Beteiligt sind unter anderem 17 Krankenhäuser, zwei Ärztenetze und zwei Universitätskliniken, die über ein datenschutzkonformes, telemedizinisches Netzwerk kooperieren. Weiterhin unterstützen die gesetzliche Krankenkassen und Landesärztekammern aus NRW das Projekt. Die Evaluation erfolgt im Verbund der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld und des Zentrums für Telematik und Telemedizin GmbH, Bochum. Das Umsetzungspotenzial sei gut, denn TELnet@NRW sichere eine 24-stündige Verfügbarkeit eines intensivmedizinischen Experten und die flächendeckende Umsetzung der S3-Leitlinie zur Infektiologie, so die Initiatoren. Vorarbeiten aus TIM, einem NRWPilotprojekt, konnten zeigen, dass die telemedizinische Innovation technisch umsetzbar ist und einen messbaren Patientennutzen hat. Die Unikliniken Aachen und Münster stellen im Projekt TEL.net@NRW ihr Spezialwissen zur Verfügung und wollen dafür sorgen, dass Experten rund um die Uhr und an sieben Tagen der Woche erreichbar sind.