Presse - März 2017

KTM - Krankenhaus Technik + Management 3/2017, Seiten 54-55

DGTelemed - Deutsche Gesellschaft für Telemedizin - Verbandsinformationen

Telemedizin in der Pflege

Seit mehreren Jahren berichtet Hausärztin Irmgard Landgraf, Praxis am Agaplesion Bethanien Sophienhaus in Berlin, über ihre guten Erfahrung mit dem Übergang in eine IT-gestützte Pflegeversorgung, die ihr eine telemedizinisch unterstützte Betreuung von rund 100 Pflegeheimbewohnern erlaubt. Beim 7. Nationalen Telemedizinkongress im November 2016 in Berlin stellte sie das Konzept vor. Grundlage ist die Umstellung auf eine elektro nische Pflegedokumentation, die netzwerkfähig und damit von der Arztpraxis aus zugänglich ist. Weniger Telefonate zwischen Ärztin und Pflegepersonal und schnelle Mitt eilungen der Pflegekräfte an die Ärztin wirken sich positiv auf die Versorgung aus. Medikationsänderungen können zeitnah, auch an Wochenenden erfolgen. Außerdem können Stati onsvisiten dadurch besser vorbereitet werden. Arzt als auch Pflegekräfte haben so mehr Zeit für die Patienten. Die telemedizinisch unterstützte Versorgung er möglicht ein wöchentliches Monitoring der Krankheitsverläufe und eine engmaschige ärztliche Medikamentenkontrolle. Auch das führe zu einer Steigerung der Patientensicherheit, so Irmgard Landgraf. Sie ist seit 2016 Vorstandsmitglied der DGTelemed.

Projekt TeleView - Telemedizin für Flüchtlinge

Wenn ein Flüchtling nach Deutschland kommt, hat er mit sprachlichen und kulturellen Barrieren zu kämpfen – auch im medizinischen Bereich. Oft können die Patienten weder ihre Krankengeschichte noch ihr akutes Leiden verständlich machen, was zu einem hohen Zeitaufwand und hohen Kosten in Arztpraxen und Unterkünften führt. Diesem Problem will das telemedizinische Projekt TeleView entgegenwirken, das vom Zentrum für Telemedizin Bad Kissingen entwickelt wurde. Dabei können Ärzte mit Migrationshintergrund die Behandlung von Flüchtlingen an ihrem Aufenthaltsort - sei es Arztpraxis, Krankenhaus oder Flüchtlingsunterkunft - über eine Videosprechstunde mit Anamnese und Diagnose unterstützen. Das optimiert die medizinische Versorgung der Flüchtlinge und entlastet das Gesundheitssystem. TeleView ist ein telemedizinisches Verfahren in Form einer Videosprechstunde zwischen dem TeleView-Arzt, zum Beispiel in einer Klinik, sowie einem Flüchtling und einer medizinischen Fachkraft, die sich an einem anderen Ort befinden. Das kann ein Flüchtlingsheim, ein Krankenhaus oder eine Arztpraxis sein.
TeleView hat als Pilotprojekt begonnen. Von April bis September 2016 wurden etwa 1.000 Flüchtlinge in der Region betreut und etwa 70 Fälle in Bad Kissingen mithilfe von TeleView bearbeitet. In einer zweiten Phase soll das Projekt ausgeweitet werden, sodass insgesamt ca. 2.000 Flüchtlinge betreut werden können. Die Partner für die Pilotphase waren das Zentrum für Telemedizin (ZTM) Bad Kissingen und das Rhön-Klinikum. Unterstützt wurden sie vom Landkreis Bad Kissingen und dem Bayerischen Roten Kreuz. Das Projekt TeleView wurde im Rahmen des 7. Nationalen Fachkongresses Telemedizin mit dem Telemedizinpreis 2016 der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin ausgezeichnet.

Telemedizin bietet schnelle Hilfe für Schlaganfall-Patienten

In einer gut besuchten Weiterbildungsveranstaltung für niedergelassene Hausärzte und Notfallmediziner informierte der am Universitätsklinikum Jena praktizierende Neurologe, Oberarzt Dr. Albrecht Günther, über das Netzwerk ,Satelit‘. Dahinter verbirgt sich die Vernetzung von Kliniken, die keine eigene neurologische Abteilung besitzen, mit Fachkliniken über Telemedizin zur Erkennung und Erstbehandlung von Schlaganfällen. In Thüringen existiert das Schlaganfall-Telemedizin-Netzwerk ,Satelit‘ seit fast fünf Jahren. Es konnte in dieser Zeit zeigen, dass telemedizinische Entwicklungen und Anwendung helfen können, mittels computergestützter Kommunikations- und Netzwerktechnologien zur Verbesserung der Versorgungsqualität bei neurologischen Erkrankungen beizutragen.

Auswirkungen von Telemedizin auf die Gesundheitsforschung

Televisiten, Videokonferenzen von Medizinern, Online-Videotelefonie für ältere Menschen und digitale Medikationspläne – wie sinnvoll sind diese neuen Formen der Gesundheitsversorgung? Forscher der Universität Bielefeld wollen die Frage in einem auf drei Jahre angelegten Vorhaben beantworten. Die Universität hat dafür mehr als eine Million Euro aus dem bundesweiten Innovationsfonds zur Gesundheitsversorgung in Deutschland erhalten. Ziel des Projekts ist es, zu untersuchen, wie sich die Projekte auf die Versorgungssituation der Versicherten auswirken, so Prof. Dr. Wolfgang Greiner, Gesundheitsökonom an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften. Der neue Innovationsfonds fördert erstmals ab diesem Jahr Projekte, die neue Konzepte für die Regelversorgung von Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen entwickeln. Patienten sollen besser versorgt werden, ihre Behandlung und Betreuung sollen wirtschaftlicher werden. So beraten zum Beispiel in einem Projekt zur Telemedizin die Universitätskliniken in Aachen und Münster über digitale Medien 17 Krankenhäuser der Grundversorgung und zwei Ärztenetze in Bünde und Köln. Die Kliniken stellen ihr Wissen durch Televisiten, Expertenchats und Fortbildungen via Internet zur Verfügung. Die Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld ist Mitglied der DGTelemed.

Neurologie und Telemedizin

Am 23. und 24. Juni 2017 findet in Erfurt/Thüringen der 1. Deutsche Teleneurologie Kongress statt. Das Thema Schlaganfall genießt in der Neurologie aufgrund der hohen Prävalenzrate und der schwerwiegenden Folgeschäden besondere Aufmerksamkeit. Deshalb befasst sich auch die Teleneurologie intensiv mit diesem Krankheitsbild und versucht, mit Erkenntnissen über den Einsatz moderner Technologien einen Teil zum medizinischen Fortschritt auf dem Gebiet der Neurologie beizutragen. Da es neben der akuten Schlaganfallbehandlung auch eine Vielzahl weiterer telemedizinischer Anwendungsszenarien in der Neurologie gibt, will die DGTelemed in Kooperation mit der Hans-Berger-Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Jena mit dem 1. Deutschen Teleneurologie Kongress die gesundheitspolitische und gesellschaftspolitische Bedeutung der Telemedizin in der Neurologie unterstreichen. Der Kongress wendet sich an Klinikvertreter, Ärzte, Pflegemitarbeiter, Therapeuten und Kostenträger sowie an Unternehmen, die sich für aktuelle medizinische Entwicklungen im Bereich der Neurologie, Rehabilitation und Nachsorge interessieren. Im Fokus wird die Telemedizin als wichtigstes Anwendungsfeld in der Schlaganfallversorgung stehen. Aber auch andere neurologische Einsatzgebiete wie Schwindel, Morbus Parkinson oder Epilepsie werden beleuchtet. Darüber hinaus werden telemedizinische Produkte und neue Entwicklungen in einer begleitenden Industrieausstellung präsentiert. Veranstalter und Organisatoren laden herzlich ein, am 23. und 24. Juni 2017 im Congress Center der Messe Erfurt als Teilnehmer, Aussteller oder Sponsor dabei zu sein, wenn Mediziner und Telemedizinexperten erstmals Telemedizin im gesamten Spektrum der Neurologie diskutieren.
www.dgtelemed.de