Telemedizin - Glossar

Telemedizinische Anwendungsbereiche

 

Der Begriff Telechirurgie umfasst eine Reihe von Begrifflichkeiten, Verfahren und Techniken wie
• Computerassistierte Chirurgie (Telementoring), Computerunterstützte Chirurgie (Computer Aided Surgery – CAS)

  • Medizinrobotik
  • OP-Roboter
  • Minimal invasive Chirigie (MIC)
  • Simulation von Operationen

Im Allgemeinen wird Telechirurgie als „ferngesteuerte Operation, bei welcher der Chirurg vom Patienten getrennt ist und durch vom Arzt gesteuerte und kontrollierte Robotersysteme (Telemanipulatoren) erfolgt“ definiert.
Sie beinhaltet sowohl eine Operation, die mittels Telekommunikationstechniken und Robotersystemen über z.T. größere Entfernungen hinweg geführt wird, als auch die Unterstützung durch Telekonsil, Telemedizin usw.

Teledermatologie ist der spezielle Anwendungsbereich telemedizinischer Lösungen in Medizin für die kollektive Befundung medizinischer Bilder sowie Entscheidungsfindung als Unterstützung bei dem Diagnostik oder Therapie für die Fachärzte für Dermatologie.

Die „Zuckerkrankheit“ Diabetes mellitus hat sich in Europa in den letzten Jahrzehnten zu einem gesundheitspolitischen Problem entwickelt. Laut der internationalen Diabetes Föderation litten im Jahr 2004 ca. 60 Millionen Europäer an der Wohlstandskrankheit, wobei davon ausgegangen wurde, dass 50% der Betroffenen nichts von ihrer Erkrankung wussten.
In Deutschland sind aktuell über 7 Millionen Menschen in Behandlung, weitere ca. 3,5 Millionen haben keine Kenntnis von ihrer Krankheit und täglich kommen etwa 1.000 Betroffene hinzu. Dabei ist bedauerlicherweise zu beobachten, dass sich die Neuerkrankungen nicht nur auf die Risikogruppen „ältere Menschen“ und „Schwangere“ beschränken, sondern zunehmend auch jüngere Menschen und Jugendliche an der Stoffwechselkrankheit erkranken. Inklusive Dunkelziffer dürften heute über 10% aller Deutschen von Diabetes betroffen sein. Die Kosten für Diabetes mellitus, einschließlich den dramatischen Folgeerkrankungen belasten das deutsche Gesundheitswesen mit jährlich (2004) ca. 34 Mrd. Euro mit steigender Tendenz.

Definition der Anwendung
Telediabetologie basiert auf den Systemen des Telemonitorings (s.o.). Ein telediabetologisches System erfasst regelmäßig gesundheitsbezogene Parameter (z.B. Blutzucker, Gewicht, Körperfett, Aktivität, Puls, Blutdruck, Sauerstoffsättigung und EKG), die optimalerweise zu jeder Zeit und an jedem Ort erhoben werden können. Die gewonnenen Parameter generieren die Datenbasis für individuelle Therapieempfehlungen sowie deren Anwendungs- und Erfolgsüberwachung.

Unter Telekardiologie wird die Anwendung der Telemedizin bei kardiologischen Indikationen verstanden. In der Telekardiologie finden der Telemonitoring sowie die Telenachsorge eine breite Anwendung.

Die Übertragung neurologischer Expertise sowie medizinische Audio-, Bild- oder Datenkommunikation zwischen neurologischen Experten via Telemedizin, insbesondere bei der Versorgung von akuten Schlaganfallpatienten bspw. via Telekonsultation wird als Teleneurologie bezeichnet.

Bei der Bekämpfung maligner Tumoren ist es hilfreich, wenn viele Spezialisten sich die oft langdauernde Behandlung mit unterschiedlichen Modalitäten teilen. Neben der operativen Therapie ist oft eine Bestrahlung, eine Chemotherapie oder als Kombination eine Radio-Chemotherapie notwendig. Idealerweise setzen sich die an einer derartigen Therapie-Sequenz Beteiligten zur genauen Besprechung der Details zusammen (sogenanntes Onkologisches Kolloquium). Darin werden nicht nur Termine aufeinander abgestimmt, sondern auch einen Verlaufskontrolle möglich, bei der alle Behandelnden gleichermaßen informiert werden können. Eventuell notwendige Therapieunterbrechungen, die von der ursprünglichen Planung abweichen, können schnell und einfach übermittelt werden.

Die Teleophthalmologie bedient sich diverser Informations- und Kommunikationstechnologien zur Unterstützung und Verbesserung der Behandlung in der Augenheilkunde. Ein Anwendungsbereich ist z.B. die Übermittlung digitaler Aufnahmen des Augenhintergrundes an ophthalmologische Spezialisten zur weiteren Befundung.

Telepathologiesysteme sind computergestützte Systeme für die Ferndiagnostik in der Pathologie. Sie gehören in die Kategorie der Befundungsdienste mit Fernsteuerung. In der pathologischen Diagnostik wird zumeist in einem ersten Schritt eine grobgewebliche Beurteilung des zu untersuchenden Präparats vorgenommen (Makroskopie). Hierbei werden durch die visuelle Untersuchung und das Betasten des Gewebes (Palpation) verdächtige Areale lokalisiert, die in der nachfolgenden histologischen Untersuchung näher analysiert werden. Nach der Festlegung der Schnittführung werden einzelne Gewebeschnitte erzeugt, eingefärbt und auf den Objektträger aufgebracht. Anschließend werden die so erhaltenen Präparate mit Hilfe eines Mikroskops weiter untersucht (Mikroskopie). Während der mikroskopischen Untersuchung kann das Mikroskop auf verschiedene Tiefen im Präparat fokussiert und das Präparat mit variierenden Auflösungen in der Fläche betrachtet werden. Dadurch wird eine systematische Untersuchung des Präparats in allen drei Dimensionen möglich.

Telepsychiatrie bezeichnet die medizinische Beratung im Fachbereich Psychiatrie und Psychosomatik über Distanzen hinweg mittels telematischer Applikationen. Sie ist eine Mischform aus Telekonsultation (akuter Charakter) und Telemonitoring (chronischer Charakter).

Teleradiologie nach § 3 Absatz 4 Röntgenverordnung (RöV) ist der Prozess medizinischer Befundung eines Patienten vom dem Arzt /Radiologien, der zum Befundungszeitpunkt nicht vor Ort ist. Mittels moderner Informations- und Kommunikationsmittel (IKT) wird der zuständige Radiologie über verschlüsselte Datenübertragungswege mit dem Patientenstandort verbunden (bspw. via Telekonsultation).

Telerehabilitation ist die Anwendung telemedizinischer Lösungen für die Erbringung der rehabilitativen medizinischen Leistungen über längere Distanzen.

In der Schlafforschung wird das Verhalten und sämtliche körperlichen Prozesse und Bewusstseinsvorgänge während des Schlafs, sowie die Wechselwirkung zwischen Schlafen und Wachen und dem Schlaf und der Umwelt untersucht. Der Begriff Telesomnologie bezeichnet die Lehre vom Schlaf, wozu neben der Schlafforschung auch die Schlafmedizin gehört unter Zuhilfenahme von modernen Informations- und Kommunikationstechnologien wie z.B. beim Schlafmonitoring.

Telemedizinische Dienstleistungen

 

Diagnose für einen Patienten von einem Arzt, der zum Zeitpunkt der Befundung, Diagnose bzw. Therapie nicht am Patientenort sein kann (z.B. Telekardiologie, Teleneurologie).

Unter Telekooperation im medizinischen Bereich wird der Austausch mit Audio-, Video- und Dateninformation zwischen entfernten Standorten. Für die Telekooperation im medizinischen Bereich werden in der Regel entsprechende Übertragungsmedien (bspw. Smartphone, Tablet-PC oder PC), geeignete Übertragungskanäle (bspw. WLAN/LAN/DSL, 3G/LTE oder Satellit) sowie Übertragungsfrequenzen verwendet.

Ein Prozess der Kooperation im Gesundheitswesen, wenn ein oder mehrere medizinische Experten gleichzeitig in den Diagnose- bzw. Therapievorgang mittels Einsatz moderner IKT-Mittel einbezogen werden (z.B. Teleneurologie, Teleradiologie). Die Telekonsultation als Kooperationsprozess eignet sich für breite Anwendung im medizinischen Bereich.

Unter Teletherapie (hier: keine Form der Radiotherapie) versteht man heutzutage ein Prozess der Erbringung medizinischer Dienstleistungen durch den Einsatz moderner IKT-Technologien. Dabei kann der zugelassene Therapeut nicht unbedingt vor Ort anwesend sein, sondern er leitet die erforderlichen therapeutischen Maßnahmen aus der Ferne ein.

Unter Telemonitoring versteht man die Überwachung von Patienten bzw. von Vitalfunktionen durch den Arzt oder das Pflegepersonal über eine räumliche Distanz hinweg. Bei der Patientenversorgung lassen sich zwei Bereiche differenzieren.

Zum einen gibt es die Überwachung physiologischer Parameter. Dabei erfassen körpernahe Sensoren kontinuierlich indikationsrelevante Vitalparameter wie z.B. Blutdruck, Puls und EKG. Die Daten werden zunächst an eine Basisstation übermittelt und von dort aus an ein telemedizinisches Servicezentrum weitergeleitet. Hier werden die Daten erfasst und ausgewertet. Der Arzt greift über das Internet und einen geschützten, persönlichen Zugang auf die Daten zu.

Zum anderen gibt es die umfassende Kommunikation zwischen Leistungserbringer und Patient. Dies geschieht als Teil einer interaktiven Betreuung im Sinne eines Disease- bzw. Case-Managements.

Damit ist Telemonitoring eine sinnvolle Ergänzung zur klassischen medizinischen Behandlung, die die Möglichkeit bietet, schnell und einfach zu diagnostizieren und zu reagieren.

Bei einer Telekonferenz (u.a. im medizinischen Bereich) handelt es sich um einen Fall, wenn mindestens ein Konferenzteilnehmer nicht am Konferenzort anwesend ist und mittels moderner Informations- und Kommunikationsmittel (IKT) zugeschaltet wird. Je nach Verfügbarkeit und Qualität der Verbindungsbandbreite findet zusätzlich der Austausch mit Audio- und Video-Daten sowie weiteren relevanten (medizinischen) Daten statt.

Unter telemedizinischer Notfallversorgung werden moderne telemedizinische Kommunikationslösungen für die medizinische Leistungserbringung in der Notfallsituation untergebracht. Als Beispiele dafür können an dieser Stelle das mobile Schlaganfallversorgungsprojekt STEMO (Stroke-Einsatz-Mobil) oder spezielle Anwendung für Telekommunikation im Rettungsfahrzeug VIMED®CAR genannt werden.

Literatur
1. Gärtner, A. (2006). Medizintechnik und Informationstechnologie - Band 3, Telemedizin und computergestützte Medizin. Köln: TÜV Media GmbH.
2. Schönenberger, U., Besetti, G., & Koch, P. (2002). Telemedizinische Verfahren: Auf dem Weg zum Standard. Bern: Bundesamt für Sozialversicherung, Schweiz.
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5. Beolchi, L. (2003). Telemedicine Glossary 5th Edition. Brussels: European Commission, Information Society Directorate-General.
6. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit – AG RS II 1. (30. 04. 2003). Abgerufen am 21. 07. 2008 von ./Fachverbaende/Elektromedizinische_Technik/Brancheninformationen/Gesetze_Normen/Hintergrundpapier_BMU_Teleradiologie.pdf.
7. Lehmann, T. M. (2005). Handbuch der Medizinischen Informatik. München Wien: Carl Hanser Verlag.
8. W.Weißauer, H. Feussner, Zeitschrift - Der Chirurg (Juni 1998), Telekonsultation in der Chirurgie – Rahmenbedingungen und künftige Bedeutung. Berlin-Heidelberg: Springer Verlag GmbH.