Telemedizinpreis - Preisträger 2009

Preisvergabe Telemedizinspreis 2009

v.l. Wolfgang Loos, Prof. Dr. Hans-Jochen Brauns, DGTelemed; Prof. Dr. Heinrich Audebert, Dr. Johannes Schenkel, Projekt TEMPiS

Preisvergabe Telemedizinspreis 2009

v.l. Prof. Dr. Hans-Jochen Brauns, DGTelemed; Hans-Uwe Hilzinger, KARL STORZ GmbH & Co. KG; Prof. Dr. Heinrich Audebert, Dr. Johannes Schenkel, Projekt TEMPiS; Dr. Christian Juhra, Projekt "TEAM TNNW"

Nach Zugrundelegung aller Auswahlkriterien und intensiver Diskussion in mehreren Auswahlrunden wurde von der Jury einstimmig beschlossen, einen mit 4.000 Euro dotierten Karl Storz Telemedizinpreis und einen mit 1.000 Euro dotierten Karl Storz Innovationspreis Telemedizin für das Jahr 2009 zu vergeben. Gewinner des Telemedizinpreises ist das Projekt zur integrierten Schlaganfallversorgung in Süd-Ost Bayern (TEMPiS), das Projekt Telematik in der Akut-Medizin (TEAM) aus Münster, NRW erhält den Innovationspreis Telemedizin 2009.
Zwei Kriterien wurden in diesem Jahr besonders gewürdigt: Telemedizin mit strukturimplementierter realisierter Regelversorgung, einschließlich evidenzbasierten Patientendaten sowie Innovation im Bereich der Projektentwicklung.

Aus einer kritischen Versorgungssituation für Schlaganfallpatienten in Ostbayern wurde das Telemedizinische Projekt zur integrierten Schlaganfallversorgung (TEMPiS) geboren, um neurologische Expertise in den Versorgungskliniken der Region jederzeit verfügbar zu machen. Durch den Aufbau von telemedizinisch unterstützten Schlaganfallstationen in insgesamt 15 regionalen Krankenhäusern konnte die Versorgungsqualität nachweislich gesteigert werden. Die wissenschaftliche Evaluation der Behandlungseffekte - publiziert in Lancet Neurology, Neurology und Stroke - ergab eine deutliche Verbesserung der Behandlungsergebnisse, gemessen an Überleben, Heimversorgung und Pflegebedürftigkeit. TEMPiS wurde daraufhin in die Regelversorgung in Bayern übernommen und findet inzwischen in Deutschland und anderen Ländern vielfach Nachahmung.
Als letzte große - gemeinsam mit dem Helmholtz-Zentrum München durchgeführte - wissenschaftliche Untersuchung des Gesamtprojektes wurde die ökonomische Evaluation abgeschlossen. Dabei wurden die von der AOK Bayern zur Verfügung gestellten Daten hinsichtlich Kosten für die stationäre Behandlung und ambulante Nachsorge analysiert. Es zeigt sich, dass eine Behandlung in telemedizinisch unterstützten Krankenhäusern im Vergleich zu Vergleichskliniken ohne entsprechendes Behandlungskonzept signifikant geringere Kosten im Bereich der Pflegeversicherung nach sich zieht. Selbst unter Berücksichtigung der erhöhten Kosten für die Akuttherapie ergibt sich nach Adjustierung für dokumentierte Einflussfaktoren und Überleben insgesamt ein Kostenvorteil für das TEMPiS-Konzept.
Das Projekt TEMPiS aus Bayern hat eine über die Versorgung der Schlaganfallpatienten in Bayern in mehrfacher Hinsicht hinausgehende Bedeutung, weil die telemedizinische Anbindung mit einer eingreifenden Strukturänderung in den beteiligten Kliniken verbunden wurde, eine konsequente Evaluation der Netzwerkimplementierung einschließlich der Effekte auf die Behandlungsergebnisse erfolgten und die laufenden Kosten erstmals durch Krankenkassen finanziert werden und durch diese Zusammenarbeit auch eine fundierte gesundheitsökonomische Analyse möglich wurde.

Das Projekt „TEAM TNNW“ Telematik in der Akut-Medizin aus Münster baut auf dem Einsatz modernster Internet- und Kommunikationstechnologien für die Versorgung Schwerverletzter auf. Das Projekt hat das Ziel, durch eine innovative telemedizinische Vernetzung im Rahmen des Trauma-Netzwerkes NordWest (TNNW) Unfallopfer innerhalb von 30 Minuten in eine zur medizinischen Versorgung ihres speziellen Verletzungsmusters geeignete und aufnahmebereite Klinik zu bringen.
Mittels modernster Internet- und Kommunikationstechnologien soll den Leitstellen die Koordination der präklinischen Traumaversorgung erleichtert werden. Dahinter steht unter anderem eine permanent aktualisierte Datenbank, in der alle für die schnelle Patientenversorgung nötigen Informationen hinterlegt sind. Hierzu zählt auch die Angabe über die aktuelle Kapazitätsauslastung der Kliniken für die Unfallversorgung sowie die entsprechenden Kontaktdaten der Verantwortlichen in den Kliniken. Mobile robuste Endgeräte für die Notärzte, die am Unfallort sofort die nächste Klinik für die weitere Behandlung anzeigen, ergänzen dieses System.
Eine weitere Kernaufgabe ist die Optimierung der Kommunikation der beteiligten Kliniken untereinander. So sollen z.B. der Austausch von Bilddaten, die Abklärung von Patientenübernahmen sowie das Einholen von Zweitmeinungen deutlich verbessert und unnötige Mehrfachuntersuchungen vermieden werden.
Ein kontinuierlicher begleitender Prozess zur Überprüfung und Optimierung der Effizienz und Effektivität ist ebenfalls integraler Bestandteil dieses Projektes. Eine Ausweitung auf andere Traumanetzwerke der DGU und möglicherweise sogar auf andere Bereiche der Akutmedizin ist denkbar.

 

Karl Storz Telemedizinpreis

Die Finanzierung des ausgelobten Preisgeldes in Höhe von 5.000 € übernimmt das Unternehmen
KARL STORZ GmbH & Co. KG

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