Telemedizinpreis - Preisträger 2016

Preisvergabe Telemedizinspreis 2016

Ehrung der Preiträger, v.l. Wolfgang Loos, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied DGTelemed, Dipl.-Ing., Dipl. Biol. Eva Maria Craemer, MBA, Krankenhaus Nordwest Frankfurt am Main, Prof. Dr. Hans-Jochen Brauns, DGTelemed Vorstandsvorsitzender, Sebastian Dresbach, Dr. Asarnusch Rashid, ZTM - Zentrum für Telemedizin e.V. Bad Kissingen, Prof. Dr. med. Bernd Griewing, Vorstandsvorsitzender ZTM e.V.

Traditionell fand am gestrigen Abend die Ehrung der Preisträger um den Telemedizinpreis 2016 im Rahmen des 7. Nationalen Fachkongresses Telemedizin im Berliner Ellington Hotel statt. Die Jury hatte sich entschieden, den Telemedizinpreis 2016 an zwei Bewerber zu vergeben.
Der Telemedizinpreis für das Jahr 2016 und das ausgelobte Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro gehen in Anbetracht der Qualität und Bedeutung der  ausgewählten förderungswürdigen Beiträge an das Telemedizinzentrum Bad Kissingen und das Projekt „TeleView“ mit einem Preisgeld in Höhe von 3.500 Euro sowie an das Krankenhaus Nordwest GmbH und das Brunei-Projekt „Teleneurologie - Tele Reha - Telewissenschaft über 12.000 km: Möglich - Persönlich - Qualitätssichernd“ mit einem Preisgeld in Höhe von 1.500 Euro.
Zunächst konnte die Jury feststellen, dass sich beide Projekte im Ranking nur äußerst geringfügig unterscheiden. Beide Projekte adressieren zudem jeweils eine Herausforderung, die bisher unter allen Bewerbungen einzigartig ist. Es ist deshalb im Sinne der Zielstellungen der DGTelemed, diese Zielrichtungen der Telemedizin transparenter und einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. Die Jury hatte deshalb vorgeschlagen, das Preisgeld  mit 3.500 Euro und 1.500 Euro aufzuteilen, wobei das Projekt „TeleView“ den ersten Preis erhält, weil es einen stärker gemeinnützigen Charakter enthält und eine aktuell dringliche Problematik in Deutschland bearbeitet. Das Projekt „TeleView“ belegt außerdem beeindruckend, dass Telemedizin ermöglicht, auf aktuelle große Probleme in der Gesundheitsversorgung zügig, flexibel und erfolgreich zu reagieren. Das Brunei-Projekt „Teleneurologie - Tele-Reha - Telewissenschaft über 12.000 km: Möglich - Persönlich - Qualitätssichernd“ vom Nordwest-Krankenhaus Frankfurt/Main und „TeleView - Telemedizinische Versorgung von Flüchtlingen“ des Zentrums für Telemedizin Bad Kissingen zeichnen hohe Qualität und Professionalität aus.
Das Brunei-Projekt ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, dass Telemedizin - ebenso wie das Smartphone - keine Grenzen kennt (und auch kennen sollte): Ein wichtiger Aspekt von Telemedizin ist, dass sie maßgeblich zur Internationalisierung der Gesundheitsversorgung unter den Aspekten Verbesserung des Zugangs zu ärztlichen Leistungen sowie zur Verbesserung der Qualität von medizinischer Versorgung beitragen wird. Darüber hinaus beweist es, dass medizinisch gut versorgte Länder wie die Bundesrepublik Deutschland mit Hilfe von Telemedizin und modernen Technologien maßgeblich zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung in schlechter versorgten Ländern beitragen können.
Mit dem Projekt „Tele-View“ soll ein Beitrag zur aktuellen Flüchtlingssituation geleistet werden, indem moderne gesellschaftliche Strukturen zur medizinischen und kulturellen Integration geschaffen werden. Die Entwicklung zeigt, dass bereits zahlreiche Ärzte mit Migrationshintergrund erfolgreich in der deutschen Gesellschaft Fuß fassten konnten und diese durch ihre Netzwerke anderen Flüchtlingen Unterstützung bieten können. Mit einem Videokonferenzsystem und einer App wurde im Rahmen einer Pilotstudie demonstrieret, dass Ärzte eine Notunterkunft bei der medizinischen Versorgung via Telemedizin unterstützen können. Die positiven Erfahrungen der erfolgreich abgeschlossenen Pilotstudie haben kürzlich zur Verstetigung des telemedizinischen Angebots in zwei Einrichtungen in Bayern geführt. Geplant ist, dass dieser Ansatz zukünftig auf weitere Einrichtungen ausgeweitet wird und damit die medizinische Versorgung von Flüchtlingen um telemedizinische Komponenten erweitert werden kann.
Die Neuartigkeit des Projektes  Brunei besteht in der Interinstitutionellen Zusammenarbeit über 12.000 km in denen neben der Akutbehandlung neurologischer Patienten eine komplette Versorgungsstruktur implementiert wurde, die die dramatischen regionalen Unterschiede der Behandlung neurologischer Patienten in Brunei Darussalam, Borneo, Südostasien gegenüber Deutschland abgebaut hat, inzwischen ist in diesem Modellprojekt garantiert, dass flächendeckend jedermann Zugang zu modernster Neurologischer Spitzenmedizin hat. In einer sehr kurzen Zeit wurde eine komplette Neurologische Klinik mit einer neurologischen Intensivstation/ Stroke Unit, eine normal Station und alle notwenigen neurologischen Labordiagnostiken, wie EEG-, Doppler-, Elektrophysiologie-Labor und Liquor Analyse, aufgebaut. Dieses Modelprojekt könnte eine Anregung sein, medizinische und wissenschaftliche Versorgungskonzepte aus Deutschland in die Welt zu bringen. Auf diese Weise könnten nicht nur wie in Brunei Darussalam tausende von Menschenleben gerettet werden, sondern sowohl in Deutschland wie auch weltweit auch unter Gesundheitsökonomischen Gesichtspunkten die knappen Fachressourcen gut eingesetzt werden.

 

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