News 2011

Neuer Job für Schwester Agnes

04.01.2011, Frankfurt/Oder, Berlin

Die Gemeindeschwester Agnes wird seit Januar mit einer neuen Aufgabe betraut. Neben den Hausbesuchen kümmert sie sich nun um die Organisation ärztlicher Leistungen für Patienten. In vorerst vier Modellregionen im Land wird das Projekt gestartet. Agnes II wurde ein zum Jahresbeginn gestartetes Vorhaben getauft, dessen Name auf den beliebten DDR-Fernsehfilm „Schwester Agnes“ aus dem Jahr 1975 zurückgeht - wie auch schon das Projekt Agnes I. Doch im Gegensatz zum ersten Modell geht es nunmehr vor allem um die organisatorische Entlastung von Patienten und Ärzten. „Die Bürokratie nimmt zu, hier soll Agnes jetzt mit anpacken“, sagt Ralf Herre, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, die das Projekt zusammen mit der AOK und der Barmer GEK trägt. Viele ältere Menschen seien mit der Beantragung von medizinischen Leistungen oder Reha-Maßnahmen überfordert, so Herre weiter. Hier könne eine Fachkraft „die Patienten an die Hand nehmen“, beim Ausfüllen von Formularen helfen oder Arzt-Termine koordinieren. Die Mediziner wiederum würden bei der Bewältigung der Verwaltungsarbeit unterstützt. Agnes II ist ein bundesweit bislang einmaliges Projekt. In vorerst fünf Regionen, in Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz), Kyritz (Prignitz), Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark), Cottbus und Fürstenwalde (Oder-Spree) sollen sechs Fachkräfte zum Einsatz kommen. Zuvor werden diese für die neue Aufgabe qualifiziert. Mit dem neuen Projekt ist die Schwester nicht mehr

wie bislang nur an eine Hausarztpraxis gebunden, sondern kann auch von Ärztehäusern oder Medizinischen Versorgungszentren beschäftigt werden. Brandenburgs Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) begrüßt das Gemeinschaftsprojekt von Ärzten und Krankenkassen und spricht von einem „Baustein zur gesundheitlichen Versorgung im ländlichen Raum“. Während die Gemeindeschwester bislang bei Hausbesuchen nur Blutproben entnommen oder den Blutdruck gemessen habe, würde Agnes jetzt zu einer „Fallmanagerin“. Die Fachangestellten könnten chronisch kranken Patienten helfen, ein zugeschnittenes Versorgungsprogramm zu finden. Zudem sei es durch ein besseres Management möglich, unnötige Arztbesuche zu vermeiden. Das neue Anforderungsprofil soll auch entsprechend honoriert werden – außerhalb der bisherigen festgezurrten Budgets. Für die einzelnen Testregionen wollen die Kassen unterschiedliche Vergütungsansätze testen: So soll Agnes in Lübbenau pro Fall ein Honorar von 17,50 Euro erhalten, in Kyritz wird eine Monatspauschale ausprobiert. Während das rein Brandenburger Projekt Agnes II ausfinanziert wurde, bestehen in dem vor zwei Jahren bundesweit eingeführten Modell Agnes I weiterhin Problem bei der Vergütung, die zu niedrig eingestuft wurde. Derzeit werden in Brandenburg noch 20 Gemeindeschwestern über Agnes I finanziert. Dr. Neeltje van den Berg, Wissenschaftlerin an der Universität Greifswald und Mitglied des Vorstandes der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin plädiert dafür, Agnes auch mit telemedizinischen Anwendungen zu verbinden.
Quelle: Märkische Oderzeitung vom 03.01.2011, Nachrichten, Autor: Henning Kraudzun