News 2011

Erfolgreicher Telemedizinkongress in Berlin

09.11.2011, Berlin

Rund 267 Experten trafen sich in der vergangenen Woche (03. und 04.11.2011) zum 2. Nationalen Fachkongress Telemedizin in Berlin. Bundes- und Landespolitik war ebenso vertreten wie Mitarbeiter aus dem Gesundheitswesen und der Gesundheitswirtschaft. Krankenkassenvertreter, Behörden und Verbände sowie zahlreiche Presse und Medien rundeten das vielfältige Teilnehmerspektrum ab. Nino Mangiapane, Referatsleiter im Bundesgesundheitsministerium eröffnete den Vortragsreigen, stellte die e-Health Initiative seines Ministeriums vor und kündigte die baldige Verabschiedung einer e-Health Strategie an. Zentrales Thema des ersten Kongresstages war die Frage, ob Telemedizin bereits angemessen Eingang in die medizinischen Leitlinien gefunden hat. Die Diskussion machte schnell deutlich, dass sehr unterschiedliche Ansichten darüber bestehen, wie sich Fachgesellschaften in Sachen Telemedizin engagieren sollten. Erfreulich viele führende Vertreter unterschiedlicher Fachrichtungen folgten der Einladung der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin, um gemeinsam über Telemedizin zu diskutieren. So waren die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie Herz- und Kreislaufforschung (DGK), die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie (DGP) und die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) beziehungsweise Neuroradiologie (DGNR) mit jeweils einem Vertreter im Podium vertreten. DGK-Präsident Professor Georg Ertl aus Würzburg betonte, dass telemedizinische Anwendungen punktuell durchaus schon in kardiologische Leitlinien vorkommen. „Die Leitlinie zum ST-Hebungsinfarkt enthält bereits einen Verweis auf das Tele-EKG“, so Prof. Dr. Ertl in seinem Vortrag. Beim Telemonitoring für chronisch kranke Herzpatienten muss dagegen noch eine bessere Evidenz geschaffen werden.

Der 1. Vorsitzende der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft, Professor Joachim Röther berichtete, dass seine Fachgesellschaft bereits seit längerer Zeit eine intensive Diskussion über Telemedizin führt, die sich an den in großer Zahl bestehenden Schlaganfallnetzwerken bundesweit entzündet hatte. Die gute Evidenz für den Nutzen strukturierter Schlaganfallnetze mit telemedizinischer Unterstützung hat dazu geführt, dass Telemedizin in der DSG-Leitlinie zumindest erwähnt wird und mittlerweile das Telekonsil unter strengen Auflagen über den OPS-Katalog erstattungsfähig ist. Deutliches Interesse an Telemedizin äußerten auch die Vertreter der DGNR und der DGU. Die DGU setzt im Rahmen der im Aufbau befindlichen Traumanetzwerke auch auf Telemedizin. Dafür soll eine sichere Infrastruktur aufgebaut werden, die den Austausch von Patienten- und Bilddaten sowie die direkte Kommunikation zwischen Experten erlaubt. "Hier sehen wir uns als Fachgesellschaft klar in der Verantwortung", betonte DGU-Vorstand Professor Andreas Seekamp.

Dr. Franz-Josef Bartmann, Vorsitzender des Telematik-Ausschusses der Bundesärztekammer (BÄK) hatte in das Thema eingeführt und betont, dass telemedizinische Angebote  im deutschen Versorgungsangebot inzwischen fest verankert sind. „Telemedizinische Patientenversorgung ist keine Randerscheinung mehr, sondern aus der Versorgung kaum noch wegzudenken“, unterstrich Bartmann in seinem Vortrag. Nun gelte es qualitative Aspekte in den Vordergrund zu rücken.“ So gelte es beispielsweise zu klären, wie Fachgesellschaften die jeweilige Evidenzlage bewerten, welche Rolle Telemedizin bei der Umsetzung von Leitlinien in der Patientenversorgung spiele und ob telemedizinische Methoden bereits Einzug in Leitlinien gehalten hätten. Voraussetzung für gute Telemedizin sei zudem, Ärzten telemedizinische Methoden zu vermitteln und mögliche Einsatzbereiche aufzuzeigen. Dazu müsse das Thema in der Fortbildung verortet werden. „Die Bundesärztekammer wird aktuelle Qualifikationsinhalte identifizieren und entsprechende Fortbildungsmaßnahmen entwickeln“, erläuterte Bartmann und verwies so auch auf einen weiteren Schwerpunkt des Kongresses.

Einer guten Tradition folgend, wurden auf dem Kongress wieder neue Telemedizinprojekte vorgestellt und angekündigt. So hat Eckhard Werner von der AOK NordWest berichtet, dass das HerzAs-Projekt der Krankenkasse auf mehrere tausend Patienten ausgedehnt werden soll. Beim HerzAs-Projekt geht es um das Telemonitoring von Herzinsuffizienz-Patienten. Für die Neuauflage des Projekts musste jetzt aufgrund der anderen Größenordnung europaweit ausgeschrieben werden. „Den Zuschlag bekam die Gesellschaft für Patientenhilfe München“, so Werner in seinem Vortrag. Der Start ist bereits Ende 2011 vorgesehen. Vorgestellt wurde auch die Fortführung einer Telemedizinstudie am Transplantationszentrum des Universitätsklinikums Freiburg, die im vergangenen Jahr bereits mit dem Karl Storz Telemedizinpreis ausgezeichnet wurde. Hier geht es um die Nachsorge bei zunächst 50 Patienten mit blutgruppeninkompatibler Lebendnierenspende. Am kooperierenden Universitätsklinikum Straßburg werden weitere 50 Patienten nach Lebertransplantation für die Studie rekrutiert. Der Löwenanteil der Förderung des 300.000 Euro-Projekts kommt von der Europäischen Union. Ziel ist es, zu untersuchen, ob die telemedizinische Nachbetreuung die Lebensqualität verbessert und über eine möglicherweise bessere Compliance Abstoßungsreaktionen hinauszögert.
www.telemedizinkongress.de