News 2015

Pionier der Telekardiologie

März, 2015

Dr. Heinrich Körtke
PD Dr. Heinrich Körtke,
Foto: www.wzat.de

 In der Nacht vom 1. zum 2. 3. 2015 ist PD Dr. Heinrich Körtke (65) plötzlich und unerwartet verstorben. Er war ein Vorreiter der deutschen Telemedizin und als solcher auch für E-HEALTH-COM ein gefragter Autor und Gespächspartner. Dr. Körtke hat das Institut für angewandte Telemedizin (IFAT) sowie im letzten Jahr das Westdeutsche Zentrum für angewandte Telemedizin (WZAT) aufgebaut und geleitet.

Heinrich Körtke studierte Humanmedizin an der Freien Universität in Berlin und absolvierte dort erfolgreich die Promotion. Im Jahre 2006 habilitierte PD Dr. med. Körtke im Fachbereich „Innere Medizin“ an der Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum. Er war bis zu seiner Pensionierung Oberarzt am Herz- und Diabeteszentrum NRW und Leiter des dortigen Instituts für angewandte Telemedizin (IFAT), das im Jahr 2003 gegründet wurde.

Bereits 1994 unternahm der Internist und Kardiologe erste Schritte in Richtung Telemedizin, indem er die Studie ESCAT (Early Self-Controlled Anticoagulation Trial) initiierte, die 2002 endete. Dabei handelt es sich um eine randomisierte, prospektive Verlaufsuntersuchung nach mechanischem Herzklappenersatz mittels INR-Selbstmanagement versus konventioneller Antikoagulation (das heißt vom Hausarzt kontrolliert), an der 1 200 Patienten mit Herzklappen teilnahmen. Die Studienergebnisse zeigten, dass die Selbstmanagementtherapie und eine INR-Einstellung im Low-Dose-Bereich gegenüber der konventionellen Hausarzt geführten Therapie Komplikationsrate, Mortalität und Morbidität der Patienten signifikant senken können. Die Fortführung war die ESCAT-III-Studie. Der Initiator der ESCAT-Studie hat damit nachgewiesen, dass das herkömmliche Phenprocoumon telemedizinisch unterstützt immense Bedeutung hat. Dr. Körtke war in Gedanken bereits dabei, eine weitere Studie zu neuen oralen Antikoagulantien durchzuführen.

Im Jahre 2003 wurde die TeleQin-Studie initiiert. Zeitgleich mit dieser Studie wurde das Institut für angewandte Telemedizin (IFAT) am Herzund Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW) gegründet. Durch die enge Verknüpfung von klinischer Wissenschaft und Praxis sollte die umfassende Leistungsvielfalt in Prävention, Diagnostik und Therapie – durch den wissenschaftlichen Input aus der klinischen Forschung gespeist – kontinuierlich ausgebaut werden.

Dr. Körtke war viele Jahre im HDZ NRW für die präoperative Diagnostik zuständig. Europaweit hat er die größte präoperative kardiochirurgische Diagnostik betrieben. Im vergangenen Jahr musste er die Ausübung seiner Tätigkeit altersbedingt beenden.
Doch darauf folgte nicht etwa der Ruhestand, sondern im April 2014 gründete er das WZAT (Westdeutsches Zentrum für angewandte Telemedizin am Evangelischen Krankenhaus Duisburg-Nord), das er auch leitete. Er folgte damit seinem ehemaligen Chef Prof. Dr. Reiner Körfer, der das HDZ NRW als Ärztlicher Direktor von 1984 bis 2009 leitete und inzwischen am Herzzentrum Duisburg am Evangelischen Krankenhaus Duisburg-Nord tätig ist.
Dr. Körtke war ein Pionier der deutschen Telemedizinentwicklung. Die Nachricht von seinem plötzlichen Tod hat in der Fachwelt weithin Bestürzung und Trauer ausgelöst. Für uns, sein Team am WZAT, war sie ein Schock. Sein Wirken wird in uns und im WZAT weiterleben!

 
Songül Secer
Oberärztin am WZAT Westdeutsches
Zentrum für angewandte Telemedizin in Duisburg.
Kontakt: songuel.secer@wzat.de

 

Download:
Nachruf Dr. Körtke, E-HEALTH-COM 02_03/15, Seit 46