News 2020

ERIC: Telemedizinisches Innovationsfondsprojekt bekämpft Langzeitfolgen bei Intensivpatienten

02. Juli 2020

Quelle: medical-tribune.de – Das mit Mitteln des Innovationsfonds geförderte Projekt ERIC, Enhanced Recovery after Intensive Care, der Charité Berlin verfolgt das Ziel, schädliche Langzeitfolgen einer intensivmedizinischen Betreuung zu verringern. Dabei soll mit einer E-Health-Plattform tägliche Televisiten abgehalten werden, die es Ärzten und Pflegekräften ermöglicht, standortunabhängig miteinander zu kommunizieren. Derzeit sind 12 Intensivstationen und 25 Visiteroboter an das Projekt angeschlossen.



Die Langzeitfolgen einer intensivmedizinischen Betreuung können sehr belastend für die ehemaligen Patienten sein. Laut Prof. Dr. Claudia Spies, Direktorin der Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt operative Intensivmedizin der Charité, leiden vier von zehn beatmeten Patienten drei Monate nach Entlassung unter kognitiven Beeinträchtigungen. Zudem klagt jeder dritte Patient über Depressionen und 7 Prozent kämpfen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung. All diese Probleme führen bei jedem vierten ehemaligen Intensivpatienten zu Schwierigkeiten bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben.

Die Televisiten von ERIC funktionieren mit Hilfe eines beweglichen Monitors, der auf einem mobilen Roboter angebracht ist. So schaltet sich der Spezialist aus der Projektzentrale, der Tele-ICU, zur Visite am Krankenbett hinzu und kommuniziert sowohl mit den Ärzten und Pflegern als auch dem Patienten. Die Einschätzung des gesundheitlichen Zustands erfolgt über Indikatoren, die von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin entwickelt wurden. Auch eine genauere Analyse der Pupillen des Patienten ist dank Video- und Zoomfunktion möglich. Via ERIC kommen neben akuten Fragen zur Behandlung auch Rehamaßnahmen in die Absprache.

Dr. Irmgard Landgraf, Hausärztin und Lehrärztin der Charité für das Fach Allgemeinmedizin, sowie Vorstandsmitglied bei der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin e. V. (DGTelemed), war Teil der ERIC-Planungsgruppe und betont, dass Hausärzte die Arbeit von ERIC unterstützen könnten, indem sie u. a. drei und sechs Monate nach der Entlassung die körperlichen und geistigen Fähigkeiten des Patienten mit Fragebogen und Tests wie dem „Timed Up and Go“ erfassen. Das fördere die sektorenübergreifende Versorgung.

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