News 2020

Prof. Spies: "Wir sind in der Lage, patientenzentrierte Technologien schnell umzusetzen"

27. Oktober 2020



Quelle: aerztezeitung.de – Am 1.10. wurden Leistungen in den EBM aufgenommen, welche die Abrechnungsmöglichkeiten von Telekonsilien ausweiten. 5 Fragen an Professor Dr. Claudia Spies.

5 Fragen an Professor Dr. med. Claudia Spies, Ärztliche Centrumsleitung CC 7, Direktorin Klinik für Anästhe­siologie m.S. operative Intensivmedizin an der Charité Berlin.

: Die Coronakrise hat generell dazu geführt, dass telemedizinische und digitale Ansätze stärker genutzt wurden bzw. werden – wie bewerten Sie diese Entwicklung grundsätzlich?

Claudia Spies: Deutschland ist in der Digitalisierung der Medizin nicht an der Weltspitze, aber bewegt sich vorwärts. Die Coronapandemie hat von 3-D-Druckern bis hin zu telemedizinischen Applikationen diesen Weg beschleunigt – es ist sehr gut zu sehen, dass wir in der Lage sind, patientenzentrierte Technologien schnell umzusetzen.

: Könnten Sie das von ihrem Team konzipierte Modell kurz skizzieren?

Claudia Spies: Im Rahmen des Innfondsprojekts ERIC haben wir bereits eine Tele-Intensivstation etabliert. Wir konnten dem Berliner Senat mit der SAVE-Berlin@COVID-19 Strategie eine telemedizinische Versorgungsstruktur anbieten, um eine Überlastung in der Hauptstadt zu vermeiden und Wissenstransfer über 16 Krankenhäuser zu generieren. Das ist uns in der ersten Welle gelungen.

Formal handelt es sich um ein 24/7 Round-and-Response Team, das strukturiert und multiprofessionelle Beratung durchführt. Von Sedierung über antivirale COVID-Therapie bis zu pflegerischen Tipps für Bauchlagen ist alles dabei. Rückgrat unsere Visiten sind die DIVI-QIs.

: Hat sich dieser Ansatz im Versorgungsalltag bewährt?

Claudia Spies: Absolut. Im ERIC-Projekt hat sich gezeigt, dass Telemedizin in unserem Ansatz machbar und skalierbar ist. Insbesondere während der Pandemie trägt Telemedizin zu einer hohen Versorgungsqualität in der Breite bei.

: Ist geplant, das Modell zu verstetigen?

Claudia Spies: Das ERIC-Projekt befindet sich in der finalen Evaluationsphase und wir sind opti­mistisch, dass im Sinne der Patientinnen und Patienten mit unseren Kollegen weiter­führen zu können. Die sehr großen Investitionen in die Digitalisierung zur besseren Versorgung sollen letztlich bei allen Patienten ankommen und dort bleiben.

: Stimmen die Rahmenbedingungen für eine Fortführung oder müssten diese aus Ihrer Sicht noch angepasst werden?

Claudia Spies: Der Weg vom Innovationsfonds in die Routineversorgung ist ein komplexer Weg – für digitale Versorgungsformen ist aber die kontinuierliche Finanzierung wichtig. Sonst besteht die Gefahr, dass geschaffene Strukturen wieder verloren gehen.

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