News 2021

Interview: DIVI-Präsident Prof. Marx zur Lage auf den Intensivstationen und Digitalisierung im Gesundheitswesen

Quelle: aerzteblatt.de – In einem Interview mit dem Ärzteblatt spricht Prof. Dr. med. Gernot Marx, FRCA, Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care an der Uniklinik RWTH Aachen, Vorstandsvorsitzender der DGTelemed, und seit Kurzem Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), über die aktuelle Lage auf den Intensivstationen rund um COVID-19 und seine zweijährige Amtszeit bei der DIVI.

So gehe die Zahl der COVID-19-Patientinnen und -Patienten auf den Intensivstationen zwar zurück, allerdings sei dies noch kein Grund für Entwarnung. Die Arbeitslast sei nach wie vor sehr hoch: „Wir sind also weit davon entfernt, von einer Entspannung auf den Intensivstationen zu sprechen. Dafür müsste die Zahl der COVID-19-Patienten auf etwa 1.000 sinken. Hinzu kommen zurzeit die Sorgen vor den mutierten Coronaviren. Sollten sich diese Mutationen auch in Deutschland ausbreiten, müssen wir mit einem erneuten Anstieg der COVID-19-Intensiv­patienten und mit einer dritten Welle rechnen, deren Ausmaß noch nicht abzuschätzen ist. Wir sehen ja gerade in Ländern wie Großbritannien oder Portugal, welche Auswirkungen eine Ausbreitung der mutierten Coronaviren hat. Deshalb müssen wir in Deutschland alles dafür tun, dass sich diese Varianten bei uns nicht ausbreiten“, so Prof. Marx.

Über seine persönliche Zielsetzung als DIVI-Präsident sagte er: „Die Digitalisierung, also der Einsatz von Telemedizin und Künstlicher Intelligenz wird sicherlich ein zentraler Baustein meiner zweijährigen Amtszeit werden – hier liegt seit Jahren mein persönlicher Schwerpunkt. Denn die Intensivmedizin eignet sich besonders dafür, die Vorteile der Technik zum Menschen zurückzubringen. So dokumentieren wir bereits heute auf vielen Intensivstationen etwa 1.000 Datenpunkten pro Patient und Stunde. Mit diesen Daten können wir sehr hilfreiche KI-Algorithmen entwickeln. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Wir haben hier vor zwei Jahren – damals noch mit Daten aus den USA – einen KI-Algorithmus für Blutver­giftung entwickelt. Dieser erkennt die Sepsis rund zwölf Stunden eher als eine herkömmliche Diagnose.“

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