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FORUM - Das Brandenburger Wirtschaftsmagazin, Ausgabe 03/2006, Seite 65

Telemedizin benötigt mehr Aufmerksamkeit

Die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin hat sich in Berlin konstituiert. Zu den Gründungsmitgliedern gehört auch Gerhard Meyer, Geschäftsführer der Meytec GmbH in Seefeld (Barnim).

Wer hat sich zu dieser neuen Deutschen Gesellschaft für Telemedizin zusammengeschlossen?

Namhafte Mediziner und Wissenschaftler sowie Vertreter aus der Industrie und von mittelständischen Unternehmen haben sich zusammengefunden und den DGTelemed e. V. gegründet.

Was sind die Aufgaben der Gesellschaft für Telemedizin?

Wir wollen dem zukunftsträchtigen Thema Telemedizin mehr Aufmerksamkeit verschaffen. Dafür möchten wir medizinisches und medizin-technisches Know-how und Engagement aufgreifen. Unsere Gesellschaft soll eine Plattform für die bundesweite Kommunikation und gleichzeitig auch eine Interessenvertretung der in der Telemedizin tätigen Mediziner und Techniker sein.

Die Telemedizin ist ein recht junger Bereich im Gesundheitswesen. Was muss sich ein Patient darunter vorstellen?

Wir verstehen unter Telemedizin konkrete medizinische Dienstleistungen. Patient und Arzt sind dabei räumlich von einander getrennt. Für die Überwindung dieser großen Entfernungen werden die modernsten Informations- und Kommunikationstechnologien zur Daten-, Bild- und Tonübertragung genutzt. Ein Patient kann somit von einem Spezialisten betreut werden, auch wenn der gar nicht in unmittelbarer Nähe ist.

Funktioniert das denn schon in der Praxis?

Sehr gut. In Bayern lief drei Jahre lang ein Pilotprojekt zur Schlaganfallversorgung. Dabei wurden regionale Krankenhäuser über eine telemedizinische Vernetzung mit den Schlaganfallzentren München-Harlaching und Regensburg verbunden. Wurde ein Schlaganfallpatient in eines der Krankenhäuser eingeliefert, erfolgte sofort eine Computertomographie des Gehirns. Die Daten dieser Untersuchung wurden sofort an die Schlaganfallzentren weitergeleitet. Per Videokonferenz konnten anschließend die Spezialisten aus den Zentren und die Ärzte in den Krankenhäusern die weitere Behandlung genau abstimmen. Seit Anfang Januar läuft dieses System nicht mehr als Pilotprojekt, sondern im Regelbetrieb.

Welche Vorteile bietet diese Behandlungsmethode?

Sie gibt dem Patienten mehr Lebensqualität. Bei einem Schlaganfall müssen in kürzester Zeit die richtigen Behandlungen erfolgen, sollen nicht Folgeschäden zurückbleiben oder gar der Tod eintreten. Nicht jedes kleine Krankenhaus aber besitzt die Spezialisten und die Ausrüstung zur Auswertung aller Patientendaten, wie sie in den Schlaganfallzentren vorhanden sind. Durch die Vernetzung aber können mehr Patienten schneller und besser behandelt werden. Außerdem trägt diese Methode auch zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen bei.

Was in Bayern gut ist und funktioniert, ist sicher auch für andere Bundesländer interessant?

Es gab schon Anfragen dafür aus Baden-Württemberg, Thüringen und Sachsen. Diese Technologie wäre sicher auch für die Region Berlin und Brandenburg interessant, aber das sind zwei Bundesländer mit ganz unterschiedlichen Strukturen.

Der Informations- und Beratungsbedarf zur Telemedizin ist offensichtlich noch groß.
Wie soll der gedeckt werden?

Unsere Gesellschaft hat sich ja gerade erst gegründet. Im Herbst wollen wir den ersten Telemedizinischen Fachkongress mit internationaler Beteiligung in Berlin veranstalten. Außerdem wird es künftig regelmäßig themenbezogene nationale und internationale Veranstaltungen geben. Schon jetzt aber gibt es viele Informationen auf unserer Internetseite www.dgtelemed.de.

(Es fragte: Wilko Döll)

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