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Sanofi-Aventis, Medicus OnLine 04.05.2007

Zukunft für die Medizin / Interview mit Herrn Wolfgang Loos, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin e.V.

Medicus: Wie können sich niedergelassenen Ärzte über die Möglichkeiten telemedizinischer Anwendungen in Ihrer Praxis informieren?

Loos:  Sie können sich selbstverständlich über uns als Deutsche Gesellschaft für Telemedizin informieren, beispielsweise über erfolgreiche telemedizinische Projekte. Eine gute Informationsquelle stellt auch der Telemedizinführer Deutschland dar. Hier sind Projekte und Initiativen aufgelistet sowie alle dazu gehörenden Kontaktdaten. Bei Interesse empfehle ich, den jeweiligen Projektleiter direkt anzusprechen.

Medicus: Inwieweit und unter welchen Voraussetzungen werden Kosten von den Krankenkassen übernommen?

Loos:  Das ist noch offen. Mit fortschreitender Anwendung von Telemedizin entwickeln sich auch spezielle Beratungsdienstleistungen, die bis jetzt noch nicht als DRG erfasst werden. Es existieren bisher noch zu wenige Studien, um den gesundheitsökonomischen Nutzen ausreichend zu belegen. Die Kosten für ein reines Telemonitoring, beispielsweise eines Hypertonie-Patienten, werden von privaten Krankenversicherungen im Allgemeinen übernommen.

Medicus: Wie ist die rechtliche Situation in der Telemedizin, beispielsweise bei der ärztlichen Haftung?

Loos:  Da muss noch vieles geregelt werden. Beim Schlaganfallprojekt TEMPiS wurden zwischen allen Beteiligten Verträge geschlossen, wobei sich die beteiligten Ärzte die Verantwortung geteilt haben.

Medicus: Wie ist die Haftungsfrage, wenn ärztliche Aufgaben delegiert werden, beispielsweise an eine Krankenschwester, die ärztliche Handlungen vornimmt, ohne dass der Arzt dabei ist, wie dies beim Projekt AGNES der Fall ist?

Loos:  Das ist tatsächlich ein sensibler Punkt, der in dem Projekt mitbedacht wird. Das könnte gesetzliche Änderungen nach sich ziehen.

Medicus: Über welche Ausbildung verfügt das medizinische Fachpersonal in den telemedizinischen Betreuungszentren?

Loos:  Bisher kommt Telemedizin sowohl in der ärztlichen Ausbildung als auch in der von Gesundheitsberufen wie Krankenpflege und Arzthelferin so gut wie nicht vor. Das heißt, vieles wird gegenwärtig über Fort- und Weiterbildung realisiert. Der Ausbildungsbedarf ist zweifellos vorhanden, er wird sogar in den nächsten Jahren noch steigen. Wir streben zurzeit eine Zusammenarbeit mit einem Lehrstuhl der Universität Magdeburg an, der sich mit Telemedizin beschäftigt.

Medicus: Wie sehen Sie die weitere Entwicklung der Telemedizin?

Loos:  Telemedizin wird die Zukunft für die Medizin sein. Unter diesem Motto wird auch unser diesjähriger Fachkongress stehen. Die rasante Entwicklung in diesem Sektor ist nicht aufzuhalten. Mit zunehmender Anwendung von Telemedizin wird auch die Akzeptanz steigen. 

Die technischen Fortschritte sind in der Tat frappierend. Sie können heute sogar eine Pupille am Bildschirm untersuchen. Zwei Ärzte können Röntgenbilder in exzellenter Qualität betrachten und dabei in Videokonferenz miteinander den Befund diskutieren, um nur zwei Anwendungsmöglichkeiten zu erwähnen.

Medicus: In welchen Bereichen wird es Fortschritte geben?

Loos:  Die großen Fortschritte sehen ich in erster Linie in der interdisziplinären Zusammenarbeit, die deutlich zunehmen wird. Im Klinikum München-Großhadern wurde kürzlich das erste interdisziplinäre Schlaganfallzentrum eröffnet. Telemedizin ermöglicht den schnellen Datenaustausch sowie Videokonferenzen der verschiedenen Ärzte.

Medicus: Wird sich die Telemedizin zu einer Konkurrenz für den Hausarzt entwickeln?

Loos:  Ich hoffe sehr, dass man diese Befürchtungen bald zur Seite legen kann. Der Hausarzt wird selbstverständlich so wichtig bleiben wie bisher. Er wird von der Telemedizin profitieren, da beispielsweise die Zusammenarbeit mit einem Krankenhaus einfacher werden wird.

Medicus: Leidet der persönliche Kontakt zwischen Arzt und Patient unter Telemedizin?

Loos:  Die individuelle Kommunikation zwischen Arzt und Patient ist unverzichtbar. Durch telemedizinische Anwendungen wird der Arzt von Routineaufgaben entlastet werden, so dass er sogar eher mehr Zeit hat, sich dem Patienten zuzuwenden. Die Patienten selbst äußern sich meist zufrieden über Telemedizin, sofern sie einbezogen werden und gründlich informiert werden.

Medicus: Wie ist der Datenschutz gewährleistet?

Loos:  Der rechtliche Rahmen ist gesteckt, dessen Einhaltung beispielsweise durch den in jedem Krankenhaus eingesetzten Datenschutzbeauftragten gewährleistet wird. Derzeit haben wir jedoch noch keine länderübergreifenden Strukturen, so dass alle Telemedizin-Projekte bis jetzt Insellösungen darstellen. Mit der Etablierung der elektronischen Gesundheitskarte wird jedoch die Telematik-Struktur geschaffen, über die dann verschiedene administrative wie medizinische Anwendungen transportiert werden können.
 
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