Presse

E-HEALTH-COM 01/2009, Seite 48

BEDEUTUNG VON TELEMEDIZIN IN EUROPA

Die Verbände DGG und DGTelemed nehmen gemeinsam Stellung zur EU-Mitteilung KOM 689 über den Nutzen von Telemedizin.

"Wir werden im deutschsprachigen Raum länderübergreifend den Informations- und Erfahrungsaustausch organisieren und den beteiligten Gesellschaften mehr Raum für Kontakte bieten. Wichtig wird sein, das Thema Qualität bei telemedizinischen Anwendungen künftig stärker zu beachten. Auch die Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Aspekt, der alle vier Gesellschaften bewegt."
Dr. Stephan H. Schug,Geschäftsführer, Deutsche Gesellschaft für Gesundheitstelematik (DGG)

"Die Idee einer gemeinsamen Stellungnahme entstand in Gesprächen im vergangenen Jahr in Berlin. Telemedizin ist auch ein internationales Thema, insofern ist es gut und richtig, dass die Fachgesellschaften für Telemedizin in Deutschland ihre Aktivitäten koordinieren und alle Beteiligten zur aktiven Mitwirkung aufrufen."
Wolfgang Loos, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied, Deutsche Gesellschaft für Telemedizin (DGTelemed)

Ende 2008 veröffentlichte die EUKommission nach einjähriger Vorbereitung die Mitteilung KOM (2008) 689 über den Nutzen der Telemedizin für Patienten, Gesundheitssysteme und die Gesellschaft. Die Kommission unterstreicht damit die zunehmende Bedeutung von telemedizinischen Dienstleistungen zur Verbesserung der Gesundheit und der medizinisch-pflegerischen Versorgung für die Bürger in Europa. Zu Recht wird erkannt,dass sich aus der aktuellen und der zukünftigen demographischen Entwicklung ein erheblicher, bislang ungedeckter Bedarf an medizinischer Versorgung insbesondere für chronisch kranke Patienten ergibt.

Zur Verbesserung der Situation soll der Zugang zu fachärztlicher Versorgung in ländlichen Regionen erleichtert werden. Krankenhausaufenthalte können durch eine verbesserte – eHealthunterstützte – häusliche Betreuung ("hospital at home") einerseits deutlich verkürzt und andererseits im Vorfeld vermieden werden.

Während ein weiterer Ausbau der bereits europaweit bewährten Teleradiologie hilft, die Effizienz der Versorgung zu verbessern und Personalengpässe in ländlichen Regionen zu mildern, verbessern Telemedizinische Dienste wie Telemonitoring und Telekonsultation gezielt die Lebensqualität chronisch Kranker und optimieren den Ressourceneinsatz. Der Telemedizin kommt insoweit gerade auch in einer insgesamt wirtschaftlich schwierigen Zeit eine wirtschaftlich stabilisierende Rolle zu.

Die EU-Kommission sieht jedoch noch erheblichen Handlungsbedarf in den Feldern:

  • Vertrauensbildung für Telemedizin-Dienste und Aufbau von Akzeptanz
  • Schaffung von allgemeiner Rechtssicherheit
  • Klärung technischer Fragen und Erleichterung der Marktentwicklung (Interoperabilität)

In diesem Zusammenhang werden die Mitgliedstaaten um aktive Mitwirkung gebeten, um die Anwendung von Telemedizin und vor allem auch die rechtliche Situation in Europa umfassend zu beschreiben und notwendigen Verbesserungsbedarf zu bearbeiten.

Die Mitteilung ist im Internet unter ec.europa.eu/information_society/activities/health/policy/telemedicine zu finden und kann dort u.a. in deutscher Sprache heruntergeladen werden.

Künftig informieren DGTelemed und DGG – auch in Zusammenarbeit mit den Fachgesellschaften ASSTeH (Österreich) und SGTMeH (Schweiz) – an dieser Stelle regelmäßig über wissenschaftliche und praktische Trends in Telemedizin und eHealth im deutschsprachigen Raum ("D-A-CH").