Presse

E-HEALTH-COM 03/2009, Seite 47

SCHLAGANFALLNETZWERKE IN SACHSEN

Krankenhausgesellschaft, Krankenkassen und Staatsministerium für Soziales schaffen die finanziellen Rahmenbedingungen für Telemedizin.

Auf Initiative sächsischer Krankenhäuser hat die Krankenhausgesellschaft Sachsen (KGS), gemeinsam mit den Landesverbänden der sächsischen Krankenkassen (LVSK) und dem Sächsischen Staatsministerium für Soziales (SMS) die finanziellen Rahmenbedingungen geschaffen,um durch den Aufbau von telemedizinischen Netzwerken die Versorgung von akut betroffenen Schlaganfallpatienten insbesondere im ländlichen Raum flächendeckend weiter zu verbessern.
Mithilfe moderner Kommunikationstechnik können Ärzte in der Notaufnahme eines regionalen Krankenhauses einen spezialisierten Neurologen rund um die Uhr sofort und unmittelbar in die Untersuchung eines Patienten einbeziehen. Der Spezialist aus dem Kompetenzzentrum des Schlaganfallnetzwerkes kann über ein spezielles Videosystem mit dem Patienten sprechen, diesen in Augenschein nehmen, auf die zur Verfügung stehenden klinischen und bildlichen Befunde zugreifen und mit dem behandelnden Arzt vor Ort die weiteren Untersuchungen sowie die sofortige, gezielte Therapie festlegen. Auf diese Weise können innerhalb des kritischen Zeitfensters binnen weniger Stunden nach dem Akutereignis die notwendige Diagnostik durchgeführt,die individuell erfolgversprechendste Therapie begonnen und damit die Chancen für den Patienten erheblich verbessert werden.
Die Krankenhausgesellschaft Sachsen hat mit den LVSK eine Landesvereinbarung geschlossen, in der insbesondere die Vergütung der laufenden Kosten, die Abrechnungsmodalitäten und die
strukturellen Voraussetzungen für die Teilnahme im Schlaganfallnetzwerk geregelt werden. Die Vergütung erfolgt über einen für alle teilnehmenden Krankenhäuser einheitlichen Zuschlag pro telekonsiliarisch befundetem Fall,der zusätzlich abrechenbar ist. Die erforderliche technische Ausstattung der Krankenhäuser wird durch das SMS im Rahmen der dualen Krankenhausfinanzierung
mit einem Millionenbetrag gefördert. Schlaganfallnetzwerke sind inzwischen entstanden mit den Initiativen

  • „Schlaganfallversorgung Ostsachsen Netzwerk SOS-NET“ mit dem Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden
  • das „Teleneuromedizinische Netzwerk der zertifizierten Stroke Units und Neurologischen Intensivmedizin TNS“ in Südwestsachsen mit dem Helios Klinikum Aue, dem Heinrich-Braun-Klinikum Zwickau und dem Klinikum Chemnitz
  • das „Telemedizinische Schlaganfall-Netzwerk Nordwestsachsen TESSA“ mit dem Klinikum St. Georg Leipzig. Die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin begrüßt die Initiative in Sachsen, weil mit ihr in einem Flächenland erstmals in Deutschland Telemedizin als Regelversorgung möglich ist. Damit einher geht eine nachhaltige Verbesserung der Schlaganfallversorgung.

Fragen an ...

PD Dr. med. Guntram Ickenstein, Chefarzt Neurologie Helios Klinikum Aue, Vorstandsmitglied DGTelemed

Wie haben Sie die Vereinbarung über die Schlaganfallnetzwerke erreicht?
Auf der Grundlage einer von der Geschäftsstelle der KGS erarbeiteten Entwurfsvorlage konnte nach mehrmonatigen Verhandlungen eine Landesvereinbarung zwischen KGS und LVSK unterzeichnet werden. Eine Ad-hoc-AG „Schlaganfallnetzwerke“ sowie eine mit Krankenhauspraktikern besetzte Verhandlungskommission unterstützten die Verhandlungsgremien durch fachliche Begleitung.“

Welche Ziele verfolgte die KGS mit dieser Initiative?
Die KGS wollte im Freistaat Sachsen Voraussetzungen für die Bildung von Schlaganfallnetzwerken schaffen und insbesondere die Vergütung der laufenden Kosten, die Abrechnungsmodalitäten und die strukturellen Voraussetzungen für die Teilnahme in Schlaganfallnetzwerken in einer Landesvereinbarung mit Beitrittsmöglichkeit für die sächsischen Krankenhäuser regeln. Nun liegt es an den Beteiligten vor Ort, diese Möglichkeit zu nutzen und sich am Aufbau von Schlaganfallnetzwerken zu beteiligen.