Presse

E-HEALTH-COM 01/2010, Seite 46

NEUE RAHMENBEDINGUNGEN SCHAFFEN

Die Telemedizin hat mittlerweile in vielen Projekten ihre Potenziale bewiesen. Nun ist es an der Zeit, die Weichen in Richtung einer Integration in die Regelversorgung zu stellen.

Das Gesundheitssystem in Deutschland steht vor großen Herausforderungen. Ziel ist eine deutliche Einsparung der Kosten bei gleichzeitiger Verbesserung der Qualität in der medizinischen Versorgung. Die Telemedizin wird bei der Bewältigung dieser anstehenden Aufgaben eine Schlüsselrolle spielen. Die Europäische Kommission beschreibt Telemonitoring als große Chance für die Behandlung chronischer Krankheiten. Auch in ländlichen Regionen kann Telemedizin insbesondere vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung dazu beitragen, die in einigen Regionen drohende bzw. bereits bestehende Lücke in der ambulanten hausärztlichen Versorgung abzufedern.
Es gibt viele Projekte in Deutschland, die den medizinischen und teilweise auch ökonomischen Nutzen beimEinsatz von Telemedizin nachgewiesen haben. Vor allem kranken viele Projekte daran, dass es nach Abschluss eines Projekts nicht gelingt, in denmedizinischen oder klinischen Regelbetrieb überführt zu werden.
Die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin setzt sich dafür ein, dass mit den Möglichkeiten moderner Technologien Zusammenarbeit und Vernetzung optimiert und derAufbau vonVersorgungsnetzwerken angeregt wird. Vorhandene telemedizinische Potenziale in gut strukturierten Regionen sollen öffentlich dargestellt werden und für schwach oder unzureichend versorgte Regionen nachhaltig nutzbar gemacht werden. Telemedizinmuss durch eine breite Überführung telemedizinischer Projekte in einen dauerhaften Regelbetrieb bundesweit einen neuenQualitätsanspruch erhalten. Hier sind insbesondere die Politik und Selbstverwaltung gefragt, Rahmenbedingungen für Telemedizin zu schaffen.

Drei Fragen an Wolfgang Loos

Wo sehen Sie in den nächsten Jahren die größten Entwicklungschancen für Telemedizin?
Die eHealth-Community wird in den nächsten Jahren weiter zusammenwachsen und sich unwiderruflich etablieren. Die Überführung telemedizinischer Anwendungen in die Regelversorgung scheint nicht mehr in allzu weiter Ferne, d. h. der zunehmend auch in wissenschaftlichen Studien dargestellte Nutzen von Telemedizin wird zur Anerkennung telemedizinischer Dienstleistungen führen. Die demografische Entwicklung wird die Anwendung von Telemedizin z. B. in strukturschwachen Regionen oder auch Flächenländern geradezu erzwingen.

Welches Thema beschäftigt Sie gerade?
Wir sind gerade mit anderen Verbänden und Gesellschaften im Gespräch darüber, wie man medizinische Innovationen - eben auch Telemedizin – schneller in die praktische Anwendung überführen kann. Gerade kleine und mittels tändische Unternehmen der IT- und Medizintechnikbranche brauchen hier Unterstützung.

Wie wichtig ist Kooperation für Telemedizin?
Telemedizin benötigt mehr gelebte Interdisziplinarität. Unterschiedlichste Akteure, die sich für Telemedizin, Telematik und eHealth engagieren, sollen offen sein für Kooperation, Sichtweisen und Interessen unterschiedlicher Fachgebiete akzeptieren und schließlich ein gemeinsames Verständnis für die nachhaltige Anwendung von Telemedizin entwickeln. Das betrifft Gesundheitsversorger, Ärzte, Techniker, IT-Experten, Gesundheitspolitiker, Führungskräfte aus der Industrie, Gesundheitswirtschaft, Verbände und Gesellschaften, Krankenkassen und Sozialversicherungen gleichermaßen.