Presse

E-HEALTH-COM 03/2011, Seite 47

TELEMEDIZIN SICHERT KLINIKERHALT

Mit einem umfangreichen Einsatz von Telemedizin werden die Mühlenkreiskliniken im nördlichen Nordrhein-Westfalen umstrukturiert. Dabei wird am Standort in Rahden eine Portalklinik etabliert.

Um in den Zeiten des Mangels an niedergelassenen Ärzten in ländlichen Regionen und nach der Änderung der kassenärztlichen Notfallversorgung diemedizinische Versorgung auf dem Lande aufrechtzuerhalten, werden die Mühlenkreiskliniken (AöR), ein Verbund aus fünf Krankenhäusern vom Haus der Maximalversorgung bis zu einem Grundversorgungskrankenhaus im Kreis Minden-Lübbecke (NRW), das Krankenhaus der Grundversorgung in Rahdenmit 78 Betten zu einer Portalklinik umgestalten. Hiermit soll eine „Eingangspforte“ für die gesamten ambulanten und stationären Möglichkeiten des Konzerns geboten werden.

Um diese Kompetenz wirklich vor Ort abbilden zu können, soll einweitreichender Einsatz der Telemedizin ermöglicht werden. Neben der etablierten Teleradiologie und Telepathologie sollen eine telemedizinische Versorgung der Ambulanz, des OP und auch der Intensivstation zu einemintensiven Kompetenztransfer, einemzeitnahen Einholen einer zweiten oder drittenMeinung und einer effektiven und effizientenVorbereitung und Durchführung von Verlegungen innerhalb des Konzerns dienen. Zusätzlich zur Übertragung von Vitaldaten soll auch ein ausgeprägtes Videokonferenz- und Videoüberwachungssystemetabliertwerden. Gerade in der Intensivmedizin wird hier in einemmedizinisch sehr anspruchsvollen Bereich über Nutzung der Telemedizin eine Verbesserung der Versorgung im ländlichen Raum erreicht. Dies kann langfristig auch zu einer Senkung der Kosten führen, da eineVerkürzung der Liegedauer auf der sehr kostenträchtigen Intensivstation zu erwarten ist. Zudem werden notwendige Verlegungen frühzeitig, erkrankungsgerecht, geplant und durchgeführt.

Wichtige Gesichtspunkte, die dabei berücksichtigtwerdenmussten, sind die differenzierte Einhaltung des Medizinproduktegesetzes (MPG) bei der Auswahl der gerätetechnischen Infrastruktur, die Berücksichtigung einer ausreichenden Übertragungsmöglichkeit (Kapazität der Verbindungsleitungen) und der Aufbau eines ausreichenden Datenschutzkonzeptes. Gerade bei der Auswahl von praktikablen Geräten zur einfachen Videoüberwachung imintensivmedizinischen Bereich musste festgestellt werden, dass ein Problemoftmals darin besteht, dass es an Angeboten mangelt, anwenderfreundliche Medizintechnik, die nach MPG zugelassen ist, zu bekommen. Diese Zulassung ist - wie intensive Diskussionen konzernintern undmit externen Experten, hier zum Beispiel das Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen (ZTG NRW), ergaben - zwingend notwendig, da gerade die Videoübertragungssysteme eindeutig der Diagnostik und Therapie dienen.

Nach der baulichen und technischen Umgestaltung des Krankenhauses wird es zu einer effektiven und effizienten Erhaltung und Verbesserung der Versorgung imländlichen Bereich des nördlichen NRWkommen. Dieses wird im Rahmen des Projektes Modellregion Telemedizin in Ostwestfalen-Lippe (OWL) der Landesregierung NRWund dem Förderprojekt Portalklinik umgesetzt. Die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin unterstützt das Vorhaben de Modellregion Telemedizin OWL insbesondere über den Landesverband NRW, da hier erstmals mit einer Vielzahl von Akteuren in einer ganzen Region unterschiedliche telemedizinische Anwendungen etabliertwerden sollen, umgerade die Chancen und Potentiale von Telemedizin in ländlichen Regionen aufzuzeigen.

DR. MICHAEL FANTINI (MHA)
ist Ärztlicher Direktor und Chefarzt für Anästhesie, Intensiv-, Notfall- und Schmerzmedizin an den Mühlenkreiskliniken und seit 2010 in der DGTelemed im Landesverband NRW engagiert.