Presse

E-HEALTH-COM 06/2011, Seite 49

KARL STORZ TELEMEDIZINPREIS VERGEBEN

Die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin (DGTelemed) hat zum fünften Mal den Karl Storz Telemedizinpreis vergeben. Der Preis des Jahres 2011 geht nach Berlin. Der Preis ist mit 5 000 Euro dotiert und wird vom Unternehmen KARL STORZ GmbH & Co. KG gefördert.

Nach ausführlicher Diskussion entschied sich die Jury für das Projekt „Partnership for the Heart“ aus Berlin. Ziel des Projektes war die Entwick lung eines Remote Patient Monitoring Systems inklusive mobiler Sensorplatt form und elektronischer Patien ten akte zur telemedizinischen Mitbetreuung von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz sowie die anschließende Prüfung in einer klinischen Studie. Die randomisierte, klinische Studie gehört mit dem Einschluss von 710 Patienten und einem mittleren Follow Up von 26 Monaten zu den weltweit längsten Studien im Bereich der kardiovaskulären Telemedizin. In der Studie wurden erstmalig spezifische Patientenprofile identifiziert, die von einer telemedizinischen Mitbetreuung profitieren können. Der Telemedizinpreis des Jahres 2011 ging an das Projekt inklusive Studie „Partnership for the Heart“, weil Studien dieser Art wichtig sind für die weitere nachhaltige Entwicklung von Telemedizin in Deutschland. Die Studie zeigt sowohl Grenzen der Telemedizin auf, aber auch Voraus setz ungen für die erfolgreiche Anwendung von Telemedizin in der Regelver sorgung. Projekt und Studie stehen für ein nach haltiges Forschungskonzept, welches sowohl technische und technologische Innovation als auch Möglichkeiten der Implementierung in den Regelbetrieb aufzeigt.

BESTEHENDE RESSOURCEN INTELLIGENT EINSETZEN

Die Bedeutung von Telemedizin, die Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien im Gesundheitswesen zwischen Arzt und Patient sowie zwischen Arzt und Arzt stellt einen grundsätzlichen Paradigmenwechsel dar, dessen Bedeutung und Folgen weitgehend unterschätzt und dessen Chancen bisher unzureichend genutzt werden: War bisher medizinische Expertise an den Standort des Arztes gebunden - entweder der Patient/Kollege kam zum Arzt oder der Arzt begab sich zum Patienten/Kollegen, ist nunmehr ärztliche Expertise unabhängig vom Standort des Arztes und grundsätzlich weltweit verfügbar. Telemedizin ist in diesem Sinne nicht primär „Lückenfüller“ einer Mangelversorgung, die auf dem Hintergrund der demografischen Versorgung zu Lücken in der ärztlichen Versorgung vor allem in ländlichen Regionen führt. Sie ist zunächst und vor allem ein nützliches und wirksames Instrument zur Verbesserung der Versorgungsqualität; sie ist außerdem ein außerordentlich wirksames und nützliches Organisationsinstrument, das neben der Qualität auch die Effizienz medizinischer Versorgung zu verbessern geeignet ist.

Allerdings: Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung in Deutschland wird die Bedeutung und der Nutzen von Telemedizin aktuell und deutlich: Die deutsche Bevölkerung wird älter, die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen wächst, während die Versorgungsbudgets von Bund und Kassen schrumpfen. Hinzu kommt ein steigender Mangel an Ärzten, der vor allem in ländlich geprägten Regionen zu einer unterdurchschnittlichen medizinischen Versorgung führt. In Hinblick auf eine gesicherte Zukunft des deutschen Gesundheitssystems gilt es, die bestehenden Ressourcen intelligent einzusetzen und Versorgungslücken zu schließen. Die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin setzt sich für eine nachhaltige Anwendung von Telemedizin in der Regelversorgung ein. Diese Ziele unterstreicht die Gesellschaft in ihrem Positionspapier aus dem Jahr 2010. So heißt es im Papier unter anderem, dass der Handlungsrahmen des SGB V für Telemedizin grundsätzlich ausreichend ist.

Auch in anderen Regelwerken (MBO-Ä) gibt es keine prinzipiellen Hürden. Evaluierte telemedizinische Anwendungen können - und sollten - in die Regelversorgung übernommen werden. Darüber hinaus unterstützt die DGTelemed die vom 113. Deutschen Ärztetag beschlossenen Leitsätze für gute Telemedizin in Deutschland. Von Medizinern getragene telemedizinische Anwendung bei gleichzeitiger Wahrung von Qualitätsansprüchen sind Erfolgsgarantien für Telemedizin. Die - inzwischen auch zunehmend anerkannten - Potentiale von Telemedizin setzen sich Schritt für Schritt bei allen Akteuren des Gesundheitswesens durch.
WOLFGANG LOOS, DGTelemed