Presse

E-HEALTH-COM 01/2012, Seite 46

TELEMEDIZIN IST WELTWEIT GEFRAGT

Ein mittelständisches Unternehmen aus Deggendorf in Bayern und Mitglied der DGTelemed rüstet Krankenhäuser in der Mongolei mit telemedizinischer Hard- und Software aus.

Laut WHO gehört die Mongolei zu den „low income countries“,mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von 590 US-Dollar pro Jahr. Es erstaunt daher kaum, dass die medizinische Versorgung deutlich schlechter ist als in der westlichen Welt. In der Hauptstadt gibt es zwar mehrere große Krankenhäuser, aber auf dem Land stehen nur wenige Krankenstationen zur Behandlung einfacher Erkrankungen zur Verfügung.
Dort gibt es zum Teil kaum Fachärzte, diagnostische Geräte zur Erkennung schwerer Erkrankungen wie Tumoren oder Entzündungen fehlen meistens. Deshalb sterben auf dem Land viele Menschen an Krebs oder Tuberkulose. Die Straßen sind schlecht ausgebaut, sodass es sehr lange dauert, bis ein Patient vom Land in eine Klinik in der Hauptstadt gelangt. Außerdemsind die Kosten einer solchen Reise für einen Nomaden fast unerschwinglich.

Die Firma Klughammer aus Deggendorf in Bayern hat zusammen mit Professor Dr.med. Dr. h. c.Martin Oberholzer der Universität Basel eine Telemedizin-Software entwickelt, die es ermöglicht, Bilder, Labordaten und Text aus verschiedenen Disziplinen (Pathologie, Chirurgie, Orthopädie etc.) einfach und schnell auf einer zentralen Datenbank abzuspeichern. Weltweit können Spezialisten diese Unterlagen begutachten und innerhalb kurzer Zeit therapeutische Ratschläge erteilen, wenn nötig nochwährend einer Operation anhand von Schnellschnitten. Das internetbasierte System mit dem Namen CampusMedicus unterstützt auch die Aus- und Fortbildung. Hierbei können „Lehrer“ und „Studenten“ über die ganze Welt verteilt sein. Die „Studenten“ können den „Lehrer“ hören und sehen, die Vorlesungsfolien vor sich auf dem Computer sehen und mit dem Vorlesungsskript neben sich ausgedruckt in Echtzeit Fragen stellen. CampusMedicus vereinfacht auch das Erstellen von Datenbanken. Hierbei werden Krankengeschichten mit Erkrankungshäufigkeiten, die Wirksamkeit von Therapien etc. abgespeichert und in Statistiken ausgewertet. Ziel des Projekts in der Mongolei ist es, die Ärzte dort so lange zu begleiten, bis sie selbstständig die Hard- und Software einsetzen können. Die Klughammer GmbH ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin und entwickelte die Medical Network Communication Platform „CampusMedicus“ für telemedizinische Anwendung in Kliniken vor allem in Entwicklungsländern.
Wolfgang Loos, DGTelemed

Drei Fragen an Prof. Dr. Brauns

Wie sehen Sie die aktuelle Entwicklung der Telemedizin?
Telemedizin und vor allem Rahmenbedingungen für Telemedizin haben sich im vergangenen Zeitraum positiv entwickelt. In der telemedizinischen Schlaganfallversorgung haben wir bundesweite Vergütungsmöglichkeiten, in anderen Anwendungsbereichen gibt es sichtbare Fortschritte. Auch die Akzeptanz in der Medizin ist gestiegen.

Wo sehen Sie die wesentlichen Gründe für diese Entwicklung?
Die Aufmerksamkeit in der Politik hat sich spürbar geändert. Das wird zum Beispiel durch die eHealth-Initiative des Bundesgesundheitsministeriums deutlich, auch der IT-Gipfel im Dezember in München hat Akzente für die flächendeckende Anwendung von Telemedizin gesetzt.

Womit beschäftigt sich die DGTelemed aktuell?
Wir werden in der erwähnten eHealth-Initiative weiter mitwirken, uns in verschiedenen Gremien einbringen, nach den USA auch mit den Telemedizingesellschaften und Regierungen in Frankreich und Schweden Kooperationen vereinbaren. Höhepunkt des Jahres wird der 3. Nationale Fachkongress Telemedizin sein, der am 25. und 26. Oktober 2012 in Berlin stattfinden wird.
Prof. Dr. Hans-Jochen Brauns
ist Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin