Presse

E-HEALTH-COM 02/2013, Seite 44

Telemedizin in der Augenheilkunde

Ein telemedizinisches Projekt der Augenheilkunde kann zur Verbesserung der augenärztlichen Betreuung von Patienten in ländlichen Regionen und in Pflegeeinrichtungen beitragen.

In den kommenden Jahren wird sich die geriatrische augenärztliche Versorgung durch Zunahme der pflegebedürftigen Personen verschlechtern. Das Aufsuchen von weit entfernten Augenarztpraxen erfordert ein großes Maß an Mobilität, die von Menschen mit Pflegebedarf oft nur mit großer Anstrengung aufgebracht werden kann. Untersuchungen haben ergeben, dass 32 Prozent der Pflegeheime gänzlich ohne augenärztliche Versorgung ausgestattet sind. 62 Prozent der Personen mit einer Pflegestufe wünschten sich derzeit eine häufigere augenärztliche Untersuchung. Die demographische Entwicklung schließlich führt zu einer Steigerung der augenärztlichen Nachfrage von Patienten bis 2020 um ca. fünf Prozent. Gleichzeitig sinkt das augenärztliche Angebot um ca. sechs Prozent auf Grund der Altersstruktur der Augenärzte, abnehmenden Wochenarbeitszeiten der Augenärzte und einem verminderten Rekrutierungspotential für den augenärztlichen Nachwuchs.

Die augenärztliche Versorgung muss daher auf den Bedarf angepasst werden. Durch Nutzung von innovativen Kommunikationsmethoden, z. B. durch die Nutzung eines Telemedizinischen-Augenkonsil, kann durch augenärztliche Telemedizin eine Stabilisierung der augenärztlichen Versorgung in Flächenländern, eine verbesserte Versorgung von Patienten in Pflegeheimen und eine verbesserte Versorgung von Hypertoniker und Diabetiker in Regionen mit fehlenden Augenärzten gewährleistet werden. Das Tele-Augenkonsil ersetzt dabei nicht eine persönliche augenärztliche Behandlung. Das Projekt Tele-Augenkonsil von talkingeyes&more® wurde von Spezialisten am Tele-Ophthalmologischen Instituts Erlangen gegründet. Das Projekt ist ein interdisziplinäres Netzwerk für Präventive Medizin in Deutschland. Es stellt den beteiligten Ärzten die medizinischen, juristischen und kommunikationstechnischen Voraussetzungen zur Verfügung, um fächerübergreifend ein Präventionsprogramm gegen ischämische Herz-, Gehirn- und Augenerkrankungen durchzuführen. Die telemedizinische Bewertung von Augenhintergrundbildern bei Patienten mit Gefäßrisikofaktoren optimiert die Behandlung, insbesondere bei arterieller Hypertonie, und ist vor allem in den Regionen mit schwacher augenärztlicher Versorgung sehr nützlich.

Das Projekt Tele-Augenkonsil existiert seit 2007. Seitdem wurden rund 7000 Patienten untersucht. Dem Netzwerk gehören mittlerweile 32 medizinische Einrichtungen an. Das Projekt Tele-Augenkonsil wurde 2012 mit dem Karl Storz Telemedizinpreis ausgezeichnet, weil hier Telemedizin als unterstützendes Element medizinischer Prozesse zwischen stationären und ambulant tätigen Akteuren wirksam wird und mit medizinischem Nutzen einhergeht.

Wolfgang Loos, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der DGTelemed
Prof. Dr. Georg Michelson, Mitbegründer des Netzwerks und Mitglied der DGTelemed