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Gemeinsame Pressemeldung DGTelemed und ZTG, 21.05.2013

Ins Schwarze getroffen: Faire Finanzierungsmodelle könnten Investitionsstau in der Telemedizin auflösen

Unter dem Motto „Telemedizin lohnt sich - Nutzenaspekte pragmatisch quantifizieren“ luden die DGTelemed e.V. und die ZTG GmbH am 15. Mai 2013 nach Düsseldorf ein. Rund 100 Akteurinnen und Akteuren aus Wis-senschaft, Wirtschaft und Politik folgten der Einladung zur hochkarätig besetzten zweiten Auflage der „Frühjahrstagung Telemedizin“.

21.05.2013, Düsseldorf/Bochum/Berlin. Aufbauend auf dem Erfolg aus dem vergangenen Jahr fand am 15. Mai 2013 die 2. Frühjahrstagung Telemedizin der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin e. V. (DGTelemed) in Kooperation und Zusammenarbeit mit der ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin GmbH statt. Im Fokus der Veranstaltung standen die Themenbereiche, die als größte Hürden für die breite Nutzung von Telemedizin im deutschen Gesund-heitswesen gelten: die fehlenden Regelungen für eine Vergütung ambulanter telemedizinischer Leistungen sowie der hohe Aufwand zum evidenzbasierten Nachweis des Nutzens als Voraussetzung zur Übernahme in die Regelversorgung.

Eröffnet wurde die Tagung von Marlis Bredehorst, Staatssekretärin im Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen. Bredehorst hob hervor, dass sich gut 60 Projekte in Nordrhein-Westfalen mit dem Thema „Telemedizin“ beschäftigen. In der Landesinitiative eGesundheit.nrw werden aktuell 16 dieser Telemedizin-Projekte mit ca. 10 Mio. € unterstützt. Um diese Investitionen des Landes nachhaltig zu sichern, ist laut Bredehorst die Entwicklung einer fairen Finanzierungslösung für telemedi-zinische Leistungen erforderlich. Es bestünde deshalb hohes Interesse der Landesregierung an der Weiterentwicklung der Thematik, damit die vielen Projekte, die mit Unterstützung der öffentlichen Hand angestoßen wurden, weiter leben können.

Nino Mangiapane vom Bundesministerium für Gesundheit erläuterte in seinem Vortrag die Aktivitäten auf Bundesebene im Rahmen der ehealth-Initiative. Zum Maßnahmenportfolio gehören das nationale Telemedizin-Portal, ein Referenzkriterienkatalog für künftige Projekte und die sogenannte Planungsstudie Interoperabilität. Veranstalter Wolfgang Loos von der DGTelemed verdeutlichte die derzeit noch unzureichende Vergütungssituation der Telemedizin. So stehen Vergütungsinstrumente in vielen Bereichen noch aus oder sind, wie das Beispiel des Modellprojektes AGnES (Arzt-entlastende, Gemeindenahe, E-Health gestützte, Systemische Intervention; „Telegesundheitsschwester“) zeigt, nicht ausreichend.

Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Frist des Bewertungsausschusses zur Beschlussfassung über eine Erweiterung des EBM ohne Ergebnis am 31. März 2013 abgelaufen ist, erwarteten die Teilnehmer gespannt auf die Ausführungen von Andreas Propp vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). Er widmete sich der Einführung des §137e SGB V, und lotete aus juristischer Sicht aus, inwiefern Telemedizin durch die Erprobungsregelung profitieren könnte. Propp kam jedoch nach sehr differenzierter und überzeugender Analyse zu einem eher verhaltenen Schluß: Telemedizin wird kaum die Kriterien für das Erprobungsverfahren erfüllen können, eine Beschleunigung bei der Einführung telemedizinischer Verfahren sei dadurch also wahrscheinlich nicht zu erwarten.
Martin Grieger vom AOK Bundesvorstand stellte die Notwendigkeit der Messbarkeit von Qualitätsverbesserungen sowie Kosten- und Ressourceneinsparun-gen bei der Auswahl telemedizinischer Verfahren in den Vordergrund. Darüber hinaus betonte er, dass es sinnvoll sein könne, Technologien zu nutzen, die bereits vorhanden und etabliert sind. An den zwei konkreten Beispielen „Mein Herz“ und „Telemedizin für Herz“ machten PD Dr. med. Heinrich Körtke (IFAT Institut für angewandte Telemedizin am Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen) und Dr. med. Annett J. Kröttinger (Deutsche Stiftung für chronisch Kranke) deutlich, dass Telemedizinprogramme Parameter wie medizini-sche Qualität, Wirtschaftlichkeit und Patientenzufriedenheit positiv beeinflussen können, insbesondere wenn die Programme in ein Versorgungskonzept eingebettet sind.

Im dritten Themenblock zeigte Rainer Beckers (ZTG GmbH), dass Telemedizin sich hervorragend für eine pragmatische Evaluationsmethodik eignet. Auf der Basis von Evidenzberichten können regionale Projekte mit Plausibilität angestoßen und mit überschaubaren Mitteln evaluiert werden, wenn die Methoden das Vertrauen der potenziellen Vertragspartner genießen. Dann kann mit Hilfe eines neutralen Dritten ein faires Finanzierungsmodell mit Risikosharing darauf aufsetzen. Die Bedeutung von Evidenz sowie Möglichkeiten des Nachweises stellte Prof. Dr. med. Karl-Heinz Rühle (Klinik Ambrock, Hagen) am Beispiel der telemedizinischen Betreuung von COPD-Patienten konkret dar. Daran anknüpfend stellte Walter Schmid (Vitaphone GmbH) das Telemedizin-Projekt AMICA vor. Ziel dieses europäischen Projektes ist die Entwicklung eines telemedizinischen Disease-Management-Systems für Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD). In Spanien konnte damit die Verweildauer im Kran-kenhaus drastisch reduziert werden.

Die angeregten Diskussionen bestätigen die Veranstalter in ihrer Themenwahl. „Da haben wir wirklich ins Schwarze getroffen. Schön, dass wir mit unserer Frühjahrstagung Telemedizin eine Plattform für fachlich anspruchsvolle Diskussionen dieser Qualität bieten können“, so ZTG-Geschäftsführer Rainer Beckers. Herr Loos von der DGTelemed verriet, dass die Planungen für die Frühjahrstagung 2014 bereits in vollem Gange seien. „Selbstverständlich werden wir dieses Veranstaltungsangebot auch im kommenden Jahr beibehalten. Vielleicht können wir im nächsten Jahr über die konkrete Ausgestaltung der EBM-Ziffer Telemedizin diskutieren“.

ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin GmbH
ZTG hat sich zum Ziel gesetzt, moderne Informations- und Kommunikationstechnologien in das Gesundheitswesen nutzerorientiert einzuführen und zu verbreiten, um die Versor-gungsqualität entlang der steigenden Anforderungen zu stärken. Neben Beratung, Gut-achten und Projekten befördert ZTG die wichtige Vernetzung der Marktteilnehmer. Seit ihrer Gründung im Jahre 1999 hat sich das Kompetenzzentrum als feste Instanz im Markt der Gesundheitstelematik etabliert.

Deutsche Gesellschaft für Telemedizin e.V. (DGTelemed)
Die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin e.V. (DGTelemed) ist eine bundesweite Verei-nigung zur Förderung, Verbreitung, Markteinführung und Publizierung moderner, innova-tiver Entwicklungen, Lösungen und Produkte in der Telemedizin. Sie will dazu beitragen, das Wissen über die vielfältigen Möglichkeiten von Telemedizin und eHealth in Organisa-tionen der Gesundheitsversorgung, in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zu erweitern und die Zusammenarbeit der Akteure im Interesse einer optimalen Gesundheitsversor-gung zu fördern.

Pressekontakt:
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