Presse

E-HEALTH-COM 03_04/2013, Seite 50

Erfolgreiche Nachsorge mit Telemedizin

Ein evidenzbasiertes Projekt mit telemedizinischer Unterstützung in der Nachsorge nach Nierentransplantation wird am Transplantationszentrum Freiburg inzwischen als Standard-Dienstleistung angeboten.

Durch den stetigen Anstieg der Zahl der Patienten auf den Wartelisten und der Stagnation bzw. der Abnahme von Spenderorganen ist es von größter Bedeutung, die Organfunktion nach Nierentransplantation so lange wie möglich zu erhalten. Um die Nachsorge zu optimieren wurde am Transplantationszentrum der Universitätsklinik Freiburg ein Projekt zur telemedizinisch unterstützten Nachsorge nierentransplantierter Patienten im Zeitraum Juli 2010 bis Dezember 2012 durchgeführt. Initiiert wurde eine prospektive, kontrollierte, randomisierte und offene Projektstudie mit 2 x 25 lebend-transplantierten Nierenempfängern. 25 Patienten wurden ausgestattet mit einem interaktiven Terminal, die Kontrollgruppe wurde mit klassischer Nachsorge überwacht. Das interaktive Terminal wurde den Patienten am Entlasstag nach Transplantation im Universitätsklinikum Freiburg (UKF) übergeben. Der Patient schloss das Terminal mittels LAN zuhause an und war mit dem UKF verbunden. Täglich gaben die Patienten Daten in einen festgelegten medizinischen Fragenkatalog ein, transplantationserfahrenes Fachpersonal überprüfte die Eingaben ebenfalls täglich. Bei Auffälligkeiten erfolgte die Kontaktaufnahme mit dem Patienten entweder fernmündlich oder per Videokonferenz, gemeinsam wurde dann die notwendige therapeutische Maßnahme festgelegt. Zusätzlich erfolgte eine Befragung beider Projekt-Gruppen mittels wissenschaftlichen Fragebögen und Interviewverfahren, die zum Zeitpunkt 0,3,6 und 12 Monate nach Nierentransplantation durchgeführt worden sind. Die Auswertung erfolgte in Kooperation mit dem Freiburger Institut für Medizinische Biometrie und Medizinische Informatik (IMBI).

Eine erste Zwischenanalyse drei Monate nach Transplantation zeigt schon jetzt medizinisch und ökonomisch signifikante Ergebnisse. Es ist erkennbar, dass die telemedizinische Unterstützung für Patienten medizinische und soziale Vorteile bringt, sie erlangen ein höheres Maß an Selbstvertrauen und fühlen sich dadurch sicherer und haben mehr Lebensqualität. Am Transplantationszentrum Freiburg wird die telemedizinisch unterstützte Nachsorge nach Nierentransplantation inzwischen als Standard-Dienstleistung angeboten. Die Techniker Krankenkasse übernimmt seit Anfang 2013 die Kosten für ihre Patienten für ein Jahr durch Einzelfall-Entscheidung.

Das Projekt „Nachsorge blutgruppen-inkompatibel nierentransplantierter Patienten“ an der Chirurgischen Universitätsklinik Freiburg, Sektion Transplantationschirurgie erhielt bereits 2010 den Karl Storz Telemedizinpreis der DGTelemed. „Mit dem Projekt wurde ein Versorgungskonzept entwickelt, dass eine Hochrisikogruppe von Patienten erfasst. Trotz relativ kleiner Patientengruppen, bei denen erfahrungsgemäß und validiert hohe Kosten zu erwarten sind, lässt das Projekt einen medizinischen und ökonomischen Nutzen erwarten“ – so der damalige Juryentscheid. Die Jury wertete zugleich den internationalen und den exemplarischen Ansatz des Projektes für den gesamten Transplantationsbereich als sehr nutzbringend, Telemedizin kann somit auch in bisher weniger erwähnten Bereichen eine sinnvolle Anwendung erfahren.

Wolfgang Loos, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der DGTelemed
Silvia Hils, BBA/Transplantationszentrum Freiburg