Presse

KTM - Krankenhaus Technik + Management 05/2014, Seiten 64-65

DGTelemed – Deutsche Gesellschaft für Telemedizin - Verbandsinformationen

Telemedizin – Medizin der Zukunft

Am 21. März 2014 übergab Melanie Huml, Gesundheitsministerin des Freistaats Bayern, dem Zentrum für Telemedizin (ZTM) in Bad Kissingen den nächsten Förderbescheid. Damit erhielt das ZTM für die dritte Projektphase knapp 350.000 Euro. Bayern forciert den flächendeckenden Ausbau der Telemedizin seit Jahren. Die Gesundheitsministerin betonte bei der Übergabe des Förderbescheids: „Wir wollen Telemedizin in ganz Bayern immer und überall verfügbar machen. Denn: Telemedizin ist Medizin mit Zukunft - zum Wohle der Patienten.“

In den vergangenen beiden Jahren hat das Zentrum insgesamt bereits 750.000 Euro erhalten. Damit wurde die Geschäftsstelle samt technischer Infrastruktur aufgebaut. Außerdem wurden eine Vernetzung der lokalen Akteure im Gesundheitswesen vorangetrieben und erste Projekte in konkrete Dienstleistungen überführt und verwirklicht. Neu ins Konzept des Zentrums eingebunden wird zum einen das telemedizinische Projekt ,Dialyse Manager’, mit dem die Versorgung von Nierenpatienten weiter verbessert wird.

Außerdem unterstrich Melanie Huml: „Mit dem ebenfalls neuen Projekt ,Vita Mentor’ erhalten Patienten nach einem Reha-Aufenthalt zusätzliche Angebote und Hilfestellungen. Die spürbaren Erfolge in Unterfranken werden über die Region hinaus ausstrahlen.“ Der Fokus wird im Projekt Vita Mentor allerdings nicht nur auf die Rehabilitation gerichtet, vielmehr wird eine allgemeine Plattform für verschiedene Indikationen entstehen (zum Beispiel Diabetes, Gesundheitstourismus etc.).

Neben der Ministerin nahm auch eine Delegation des Ausschusses ,Gesundheit und Pflege’ der Landesregierung an der Veranstaltung teil. ZTM-Geschäftsführer Sebastian Dresbach stellte im Rahmen seines Vortrags das Zentrum für Telemedizin und weitere telemedizinische Lösungen vor. Beeindruckt waren die Gäste auch vom neuen ,Showroom’. Im großen Demonstrationsraum im ZTM können verschiedenste Systeme aus der Telemedizin, aber auch aus dem Bereich Ambient Assisted Living (AAL) vorgeführt werden.

„Wir sind auf einem richtig guten Weg und nehmen immer mehr Fahrt auf“, resümiert der Geschäftsführer und wird die lobenden Worte und den inhaltlichen Input der politischen Vertreter gerne in die kommende Arbeit mit aufnehmen. Die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin arbeitet partnerschaftlich mit dem Zentrum zusammen, weil so in ländlichen Regionen über Telemedizin informiert und die Verbreitung von Entwicklungen unterstützt wird.
www.ztm-badkissingen.de
Sebastian Dresbach, Wolfgang Loos

Premiere der Veranstaltung „Markt der Möglichkeiten“ in Düsseldorf

Dass die Telemedizin einen wichtigen Baustein für die medizinische Versorgung bildet, ist für viele klar. Wie E-Health-Lösungen in der Praxis umgesetzt werden können, machte die ZTG gemeinsam mit ihren Gesellschaftern im Haus der Ärzteschaft in Düsseldorf deutlich.

Das neue Veranstaltungsformat, das die ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin GmbH am 27. Februar 2014 gemeinsam mit ihren Gesellschaftern auf die Beine stellte, lockte rund 250 Teilnehmer ins Haus der Ärzteschaft. Eindrucksvoll zeigten die unterschiedlichen Akteure auf drei Themeninseln, wie Telematik und Telemedizin schon heute zu mehr Qualität und Effizienz im medizinischen Alltag beitragen können. Auch die neue Staatssekretärin im Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen, Martina Hoffmann-Badache, nahm an der Veranstaltung teil und informierte sich über innovative E-Health-Lösungen. Auf den drei unterschiedlichen Themeninseln wurden anhand anschaulich aufbereiteter Anwendungsfälle aktuelle elektronische Kommunikations- und Kooperationslösungen demonstriert. Inhaltliche Schwerpunkte waren Telemedizin, die Kommunikation zwischen Ärzten und die berufsgruppenübergreifende Kommunikation. Staatssekretärin Hoffmann-Badache zeigte sich in der anschließenden Podiumsdiskussion sichtlich begeistert von den vorgestellten Lösungen und betonte den Nutzen für die Patienten.
www.ztg-nrw.de
Anne Wewer/Wolfgang Loos

Telemedizin bei chronischer Herzinsuffizienz

Die beiden weltweit größten Studien zur Telemedizin bei chronischer Herzinsuffizienz wurden in Deutschland (München und Berlin) durchgeführt. Studiendesign, Patientenselektion, Ausrüstung der Patienten und Behandlung unterscheiden sich deutlich. Die unterschiedlichen Ergebnisse lassen Rückschlüsse zu, die für einen erfolgreichen Einsatz der Telemedizin bei chronischer Herzinsuffizienz bedeutsam sind. Dabei sind das Alter, der Schweregrad, die medikamentöse Therapie und das Telemedizinprogramm entscheidende Faktoren. Die Patienten sollten möglichst im Anschluss an einen stationären Aufenthalt wegen dekompensierter Herzinsuffizienz in die telemedizinische Betreuung überführt werden. Dies gilt besonders dann, wenn die maximale medikamentöse Therapie noch nicht ausgeschöpft werden konnte. Bei der Indikation ,chronische Herzinsuffizienz’ ist die Telemedizin daher besonders gut geeignet, die Schnittstellenproblematik von stationär zu ambulant zu überbrücken. Der positive Effekt telemedizinischer Programme bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz ist in den letzten Jahren mehrfach nachgewiesen worden. Die Mehrzahl der Studien ergibt eine Überlegenheit der Telemedizin im Vergleich zur konventionellen Behandlung. Die Mortalität und die Zahl stationärer Aufenthalte konnten gesenkt und eine Steigerung der Lebensqualität bewirkt werden. Die Ergebnisse der in Deutschland durchgeführten Studien und deren Design lassen Rückschlüsse auf die geeignete Auswahl von Patienten in Deutschland für die Teilnahme an telemedizinischer Versorgung zu. Aus beiden Studien ergeben sich wichtige Erkenntnisse für die Selektion geeigneter Patienten und den Behandlungsmodus bei chronischer Herzinsuffizienz im Rahmen der Telemedizin. Patienten mit höheren Schweregraden und ältere Patienten scheinen besonders zu profitieren. Patienten mit NYHA-Stadium zwei bis drei und einer bereits optimalen medikamentösen Therapie bedürfen wohl keiner zusätzlichen telemedizinischen Betreuung.

Der Schwerpunkt sollte auch im Rahmen der Telemedizin auf der Betreuung der Patienten und nicht auf der maximalen Ausstattung mit technologischen Komponenten liegen. Telemonitoring relevanter Vitalparameter sollte individuell für ausgewählte Subgruppen definiert sein.
Wolfgang Loos

Telemedizin und Fernbehandlung

Telemedizin überwindet räumliche Distanzen durch Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien: Ärztliche Expertise ist damit standortunabhängig und weltweit verfügbar. Vorteile ergeben sich damit vor allem für ländliche Regionen, in denen in den nächsten Jahren Ärzte fehlen werden und der Weg zum Facharzt weiter werden wird. Telemedizin aber darf und wird ärztliche Expertise nicht ersetzen, sondern muss gerade in strukturschwachen Gebieten Anwendung finden, wo ärztliche Kompetenz nicht vorhanden ist, aber benötigt wird. Telemedizin ist aus dem medizinischen Alltag nicht mehr wegzudenken: Telemedizinische Schlaganfall- und Radiologienetzwerke haben sich in den Bundesländern etabliert, Telemonitoring vor allem chronisch Kranker wird erfolgreich eingesetzt. Schließlich wird mit der elektronischen Gesundheitskarte auch die dringend nötige Telematikinfrastruktur kommen.

Missverständnisse entstehen aber nach wie vor durch das so genannte Fernbehandlungsverbot, das letztlich nur als ein ,Verbot der ausschließlichen Fernbehandlung’ zu verstehen ist. Es soll sicherstellen, dass Diagnostik und Behandlung in persönlichem Kontakt erfolgen. Rechtliche Grundlage ist § 7, Absatz 4 der Berufsordnung Ärzte. Die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin vertritt den Standpunkt, dass es längst überfällig ist, diese Regelung der aktuellen Entwicklung anzupassen.

Die Bundespolitik hat das offensichtlich erkannt und zunächst entsprechende gesetzliche Regelungen verabschiedet bzw. im Koalitionsvertrag Ziele zur Förderung von Telemedizin vor allem in ländlichen Regionen verankert. Diagnostik, Konsile und Konsultationen mittels Telemedizin werden in absehbarer Zeit auch in Deutschland Alltag werden.
Wolfgang Loos