Presse - Mai 2015

KTM - Krankenhaus Technik + Management 05/2015, Seiten 55-56

DGTelemed - Deutsche Gesellschaft für Telemedizin - Verbandsinformationen

Telemedizin in Afghanistan mit deutscher Unterstützung

Im November 2014 fand in Kooperation mit der Medizinischen Universität Kabul das zehnte afghanisch-deutsche Telemedizinsymposium in Kabul statt, zu dem wieder Mediziner aus allen Landesteilen anreisten. Der Veranstalter, der Afghanisch-Deutsche Ärzteverein Weimar e. V. (Adav), wurde von DGTelemed-Mitglied Dr. Azim Mosafer vertreten, Oberarzt der Wirbelsäulenchirurgie an der Klinik Bad Berka.
Prof. Dr. Shirin Aqa Zarif, Dekan der Medizinischen Universität Kabul, hob bei seiner Eröffnungsrede die gute langjährige Kooperation mit dem Adav und den Stellenwert der Telemedizin hervor. Dr. Mosafer stellte in einer kurzen Übersicht das Konzept des Afghan-Telemedicine-Network vor. Die anwesenden Vertreter des IT-Bereichs des Gesundheitsministeriums führten eine lebhafte Diskussion, darüber hinaus fand ein konstruktives Gespräch im Gesundheitsministerium des Landes statt.
Das Pilotprojekt ‚Afghan German Telemedicine‘ wurde nach einer intensiven Evaluierung vor drei Jahren an der Medizinischen Universität Kabul gestartet. Ziel war die Entwicklung einer innovativen telemedizinisches Plattform, die mit der aktuellen afghanischen Infrastruktur kompatibel ist und somit auch in weiten Teilen des Landes angewendet werden kann. Die Software für das Projekt wurde in Kooperation mit der Firma TecArt aus Erfurt entwickelt.
Neben afghanischen Ärzten haben inzwischen auch viele indische Kollegen die Möglichkeit erkannt, in Afghanistan zum Beispiel in radiologischen Arztpraxen zu arbeiten. In einer afghanisch-deutschen Privatklinik implantierte erstmals auch ein indischer Orthopäde aus Neu Delhi Hüft-, Knie- und Schulterprothesen.

Pilotprojekt ‚Afghan German Telemedicine‘

Telemedizin ermöglicht eine medizinische Versorgung und überwindet geografische, ethnische, religiöse und gesellschaftliche Hindernisse. In Echtzeit und trotz großer Entfernung kann weltweit durch Videoübertragung effiziente Hilfe bei der Behandlung von Patienten geleistet werden. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Pilotprojekts wurde im November 2012 das Telemedizinprojekt zunächst in den Provinzhauptstädten mit einer medizinischen Hochschule gestartet. Ziel war die Einbindung aller Distrikt-Krankenhäuser in Afghanistan. Die zentrale Leitidee des Projekts ist es, E-Health und insbesondere Telemedizin als humanitäres Projekt in Afghanistan zu entwickeln und zu nutzen. Ziele sind:
• eine stärkere Orientierung von Hochschulen (medizinische Fakultäten und deren Kliniken in Afghanistan) an den Gesundheitsbedürfnissen der Bevölkerung, an Wissenschaft und an der Gesundheitsversorgung,
• eine verstärkte Nutzung von Telemedizin und E-Health für die Vernetzung von Krankenhäusern und Kliniken in der Diagnostik und Behandlung sowie Anwendung der medizinischen Informatik in Kliniken,
• eine Etablierung der Plattform und internationale Kooperationen. Telemedizinzentren existieren inzwischen in den Regionen Mazar-i-Sharif, Kabul, Herat, Jalalabad und Kandahar.
Wolfgang Loos, Geschäftsführender
Vorstand DGTelemed

Mitglieder fusionieren

Das Unternehmen SHL Telemedicine Israel/Deutschland baut sein Geschäft in Deutschland aus. Der Anbieter von Telemedizinlösungen erwirbt für 7,6 Millionen Euro die Gesellschaft für Patientenhilfe (GPH) aus München mit ihrem Telemedizinprogramm Cordiva. Beide Unternehmen sind Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin. Im Rahmen von Cordiva betreut die GPH Patienten mit chronischen Herzfehlern, so SHL in einer Mitteilung vom 16. März 2015. Die Übernahme ist eine natürliche Erweiterung des Deutschlandgeschäfts von SHL Telemedicine und wird das Wachstum der Gruppe bereits im laufenden Jahr begünstigen, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Die Gesellschaft für Patientenhilfe arbeitet seit einigen Jahren mit der AOK Bayern und der AOK Nordost zusammen und setzt Telemonitoringprogramme für deren Mitglieder um. Damit kann SHL die Zusammenarbeit mit deutschen Krankenversicherungen er weitern (DKV, AOK Bayern, Barmer und AOK Nordost).

conhIT 2015: Telemedizin am NRW-Gemeinschaftsstand

Vom 14. bis 16. April 2015 fand in Berlin die diesjährige conhIT statt, auf der sich das Land Nordrhein- Westfalen erstmals mit einem Gemeinschaftsstand präsentierte. Ausrichter der NRW-Präsenz waren das ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin und das Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen (LZG.NRW). Mit dem Gemeinschaftsstand demonstrierten ZTG und LZG.NRW die Kompetenz und Leistungskraft des Landes NRW im Bereich Telematik, Telemedizin und Gesundheits-IT. Ziel ist es, alle Beteiligten noch stärker zu vernetzen, um den wachsenden Markt weiter zu erschließen. Dass Nordrhein-Westfalen bei der Förderung von Informations- und Kommunikationstechnologien zur Weiterentwicklung der medizinischen und pflegerischen Versorgung bundesweit eine Vorreiterrolle einnimmt, wird nicht erst durch den NRW-Gemeinschaftsstand deutlich. Das Land ist seit Jahren federführend bei der Einführung nutzerorientierter Telematik- und Telemedizinanwendungen im Gesundheitswesen. Mit der Landesinitiative eGesundheit. nrw, in der über 30 Projekte gebündelt werden, soll die interdisziplinäre, einrichtungs- und sektorenübergreifende Kooperation und Kommunikation der Akteure im Gesundheitswesen unterstützt und weiterentwickelt werden. Die konsequente Berücksichtigung der Nutzerorientierung im Rahmen der Landesinitiative ist dabei einzigartig und wegweisend für ganz Deutschland.

Nachruf

Wir trauern um einen Pionier der Telemedizin in Deutschland:
PD Dr. Heinrich Körtke. Er verstarb am 1. März 2015 im Alter von 65 Jahren plötzlich und unerwartet. Dr. Körtke war bis zu seiner Pensionierung Oberarzt am Herzund Diabetes-Zentrum NRW und Leiter des dortigen Instituts für angewandte Telemedizin (Ifat). Er baute das bereits 2003 gegründete Institut auf und bereitete mit innovativen telemedizinischen Versorgungskonzepten der Telekardiologie zunächst in Nordrhein-Westfalen und dann in Deutschland den Weg. Vor allem auf dem Gebiet des Gerinnungsmanagements er warb er sich internationale Anerkennung. Sein Programm für die kardiologische Telerehabilitation (Autark) ist ebenfalls bis heute ein Meilenstein. Nach seinem altersbedingten Ausscheiden aus dem Ifat gründete er das Westdeutsche Zentrum für an gewandte Telemedizin (WZAT) am Evangelischen Klinikum Niederrhein in Duisburg, wo er seitdem als Ärztlicher Direktor fungierte und neue Impulse für die Telemedizin setzte. Wir verlieren mit ihm einen innovativen und niemals müden Unterstützer. Für die ZTG und die DGTelemed hat er sich in zahl reichen Projekten, Vorträgen und Publikationen ein gesetzt. Wir werden ihn als sehr kompetenten, loyalen und aufmerksamen Gesprächspartner und Mitstreiter in Erinnerung behalten. Unsere besondere Anteilnahme gilt seinen Angehörigen.
Deutsche Gesellschaft für Telemedizin
Vorstand und Wissenschaftlicher Beirat
ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin
Geschäftsführung, Aufsichtsrat und Fachbeirat