Presse - August 2015

KTM - Krankenhaus Technik + Management 07-08/2015, Seiten 52-53

DGTelemed - Deutsche Gesellschaft für Telemedizin - Verbandsinformationen

Modellregion Ostwestfalen-Lippe und Telemedizin

Das Konsortium des Forschungsprojekts Westfälischer/Ostwestfälischer Telemedizinverbund traf sich im Juni in Bad Oeynhausen zu einem Symposium. Es sollten die im Projekt erarbeiteten Lösungen zur einrichtungsübergreifenden gemeinsamen telemedizinischen Patientenversorgung vorgestellt und Chancen und Herausforderungen für Telemedizin in der Region Ostwestfalen-Lippe (OWL) mit den Teilnehmern diskutiert werden. Unter der Konsortialführung des Instituts für angewandte Telemedizin (Ifat) haben die Projektpartner – Mühlenkreiskliniken, Klinikum Herford, Fachhochschule Dortmund, die Firmen Healthcare IT Solutions und com2health sowie niedergelassene Praxen – hierfür ein Fachprogramm mit Vorträgen vorbereitet. Die vorgestellten technischen Lösungen zur Fallakte und zum Versorgungsmanagement zeigten eindrucksvoll, dass eine sektorübergreifende Zusammenarbeit technisch umsetzbar ist und die technischen Komponenten einfach zu bedienen sind. Darüber hinaus wurde aufgezeigt, wie Patienten über neue Sensorsysteme von einem  Telemonitoring rund um die Uhr profitieren können. In den lebhaften Diskussionen zu den Vorträgen wurde deutlich, dass die Themen Datenschutz und Vergütung telemedizinischer Leistungen noch nicht zufriedenstellend für alle Beteiligten geklärt sind. Zugleich herrschte Einigkeit darüber, dass Telemedizin in der künftigen Gesundheitsversorgung eine immer größere Rolle einnehmen wird – nicht zuletzt wegen des demografischen Wandels und den damit verbundenen Effekten. Die Einbeziehung der niedergelassenen Ärzte in den Versorgungsprozess wurde als erfolgskritisch wahrgenommen: Nur gemeinsam mit dem niedergelassenen Kollegen kann für jeden Patienten eine optimale medizinische Versorgung angeboten werden. Jetzt können chronisch Kranke von der Expertise telemedizinischer Zentren profitieren. Die leitlinienkonforme Betreuung verschiedener chronischer Erkrankungen (zum Beispiel Tumor, Herzinsuffizienz und Diabetes) stellt die Hausärzte vor eine zeitliche Herausforderung. Durch vorher bewertete Informationen, die ein Telemedizinzentrum entsprechend den Vorgaben des niedergelassenen Kollegen aufbereitet, kann der Hausarzt die Therapie sinnvoll anpassen und die Patienten besser führen. In einer Umfrage des Ifat unter seinen Patienten wurde deutlich, dass diese sich durch die telemedizinische Betreuung im Alltag sicherer fühlen und auch kompetenter mit ihrer Erkrankung umgehen. Durch Telemedizin kann die Versorgungsqualität insbesondere für Patienten mit multiplen Erkrankungen deutlich gesteigert werden. In der Region Ostwestfalen-Lippe, die sich in der Struktur von Ballungszentren unterscheidet und in der die Wege zu den Fachärzten immer länger werden, können telemedizinische Angebote ergänzend zur Betreuung durch niedergelassene Ärzte deutliche Mehrwerte erzeugen.

Springerpools mit Software managen – Lösung für einen wirtschaftlichen und mitarbeiterorientierten Personaleinsatz

Sowohl in Deutschland als auch in den Niederlanden wird es immer mehr pflegebedürftige Menschen geben. Der Mangel an Pflegefachkräften wird sich verschärfen. Gleichzeitig  stehen einer  schrumpfenden Zahl erwerbstätiger Beitragszahler immer mehr Rentner gegenüber. Es droht die Gefahr, dass die finanziellen Grundlagen des Gesundheitssystems überlastet werden. Im Hinblick auf die steigende Ressourcenknappheit hat das niederländische Gesundheitssystem in den 1990er Jahren eine Reihe von Rationalisierungsmaßnahmen eingeleitet. Auch der Personaleinsatz wurde auf potenziell vorhandene Redundanzen und Ineffizienzen geprüft. Ein wirtschaftlicher Personaleinsatz richtet sich nach der Heim- oder Bettenauslastung sowie dem Pflegebedarf der Bewohner und  Patienten. Da auf der einen Seite Auslastung und Pflegebedarf sowie auf der an deren Seite das  Personalangebot (zum Beispiel durch Krankheit, Urlaub und andere Fehlzeiten) stetig schwankt, sollte der Personaleinsatz flexibel erfolgen. Viele Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen in den Niederlanden haben daraufhin Springerpools eingeführt. Dies sind Teams, die aus teilzeitbeschäftigten Mitarbeitern (meist mit einem unbefristeten Vertrag) bestehen, die bereit sind, in unterschiedlichen Abteilungen tätig zu werden. Heute gibt es in den Niederlanden mehrere hundert Springerpools mit 20 bis zu 1.000 Mitarbeitern. Der Erfolg des niederländischen  Flexibilisierungskonzepts ist insbesondere zwei Ansätzen zu verdanken: Zum einen wurden Springerpools nicht als Zusatzmaßnahme, sondern als wesentlicher Bestandteil des Gesamtplanungsprozesses eingeführt. Zum anderen wurden neben den unternehmerischen Interessen der Arbeitgeber auch die Interessen der Arbeitnehmer, wie Planungssicherheit und Work-Life-Balance, in Betracht gezogen. Die Niederlande weisen im internationalen Vergleich einen hohen Grad arbeitnehmerorientierter Arbeitszeitflexibilität auf. Das heißt: Die Flexibilisierung von Arbeitszeiten dient vorwiegend dem Interesse der Beschäftigten.

Personalplanung in drei Schritten
Um die Flexibilität mit Springerpools in den Gesamtplanungsprozess zu verankern, erfolgt die Personalplanung in niederländischen Pflegeheimen und Krankenhäusern meist in drei Schritten:
1. Im Kapazitätsplan wird eine Personalbedarfsermittlung pro Abteilung erstellt – dargestellt in Stunden, Qualifikationen, Kosten und Einnahmen. Grundlage ist der tatsächliche Pflegebedarf, nicht die vorhandene Personalkapazität. Anschließend wird der Kapazitätsplan mit ,echten‘ Mitarbeitern gefüllt und in einen Dienstplan umgewandelt.
2. Zuerst wird ein langfristiger Basisdienstplan erstellt, in dem die Arbeitszeiten für die einzelnen Mitarbeiter meist für den Zeitraum von einem Jahr festgelegt werden. Bezogen auf die Zielsetzung, den Einsatz flexibel zu gestalten, hört sich das paradox an. Allerdings steigt sowohl die  Flexibilitätsbereitschaft der Mitarbeiter als auch die praktische Umsetzbarkeit einer flexiblen Dienstplanung, wenn gewisse Planungsgrößen längerfristig gegeben sind. Sowohl bei der Erstellung des Kapazitäts- als auch des Basisdienstplans werden die Mitarbeiter direkt involviert. Das erhöht die Akzeptanz und die Arbeitszufriedenheit.
3. Zuletzt wird auf Grundlage des Basisdienstplans der operationelle Dienstplan erstellt, in der Regel monatlich. Er dient dazu, kurzfristige und unvorhersehbare Belastungsspitzen, Engpässe und Ausfälle zu kompensieren, und zwar mit vor reservierten flexiblen Stunden.

Flexibilität praktisch in den Dienstplan einbauen
In der Regel werden ca. 80 Prozent des im Kapazitätsplan ermittelten Personalbedarfs (VZÄ), was  etwa dem Nettopersonalbedarf entspricht, mit festen Stunden, die übrigen ca. 20 Prozent mit  flexiblen Stunden aus dem Springerpool geplant (siehe Abbildung oben). Der Pool ermöglicht eine kontrollierte Kompensierung von Fehlzeiten. Planbare Ausfallzeiten können frühzeitig berücksichtigt und auf nicht planbaren Fehlzeiten kann adäquat reagiert werden. Dieser Ansatz erfordert einen sorgfältig aufgebauten Springerpool – sowohl hinsichtlich der Mitarbeiterzahl als auch der Zusammenstellung. Das Unternehmen kann den aktuellen Dienstplan vorab sowie jederzeit mit dem Kapazitätsplan abgleichen, in dem die budgetären Rahmenbedingungen eingearbeitet sind. So können Abweichungen frühzeitig erkannt und Steuerungsmaßnahmen rechtzeitig eingeleitet werden.

Selbstregie
Der flexibilisierte Arbeitsmarkt und die kompromissbereite Arbeitskultur in den Niederlanden erwiesen sich als fruchtbarer Boden für innovative Planungsmodelle und Softwarelösungen. Immer mehr Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen bieten ihren Mitarbeitern ein hohes Maß an Selbstregie über ihre Arbeitszeiten: Sie können an mehreren Stellen im Planungsprozess direkten Einfluss ausüben. So gibt es inzwischen Planungsapplikationen mit einem Mitarbeiterportal, über das die Mitarbeiter über das Internet Zugriff auf ihre Planung haben. Und es gibt Apps, mit denen sie sowohl mit der Hauptapplikation als auch unter einander kommunizieren können, zum Beispiel, um sich für Dienste anzumelden oder untereinander zu tauschen. Die Technologie fördert die Autonomie, erhöht sogar den Spaß am Planen. Viele Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen in den Niederlanden werben inzwischen mit den abwechslungsreichen Einsatzmöglichkeiten und der hohen Arbeitszeitautonomie in ihren Springerpools, um Personal anzuwerben und zu binden.