Presse - Januar 2016

KTM - Krankenhaus Technik + Management 01-02/2016, Seiten 52-53

DGTelemed - Deutsche Gesellschaft für Telemedizin - Verbandsinformationen

Krankenhaus Nordwest: Spitzenmedizin als Exportschlager

Mit der Gründung des Instituts für Internationale Medizin und Telemedizin will sich das Krankenhaus Nordwest global aufstellen und Spitzenmedizin aus Deutschland zum Exportschlager machen. Dass sich damit durchaus Geld verdienen lässt, zeigt ein Kooperationsprojekt der Klinik mit dem Sultanat Brunei. Ärzte des Frankfurter Krankenhauses können in Sekundenschnelle Patienten im weit entfernten Brunei untersuchen – das Internet macht‘s möglich. Wenn Prof. Dr. med. Uta Meyding-Lamadé, Chefärztin der Neurologie, nachts ihr Tablet hervorholt, schaut sie nicht nur auf die Uhr oder liest Nachrichten. Sie kann innerhalb weniger Minuten Patienten über ihr mobiles Gerät begutachten. Die meisten Anfragen kommen inzwischen zu Erkrankten aus dem im 12.000 km entfernten Sultanat Brunei liegenden Darussalam. In dem südost asiatischen Kleinstaat auf der Insel Borneo, hat Meyding-Lamadé auf Bitten des Sultans eine neurologische Akutklinik aufgebaut. Inzwischen leitet sie die Klinik hauptsächlich über Bildschirm und Mikrofon. In der Regel ist sie nur noch alle zwei Monate für ein paar Tage dort. Indonesien und Thailand stehen in den Startlöchern, ein Projekt mit Russland ist angelaufen. Es scheint, als wäre die Gründung des Instituts für Internationale Medizin und Telemedizin Frankfurt am Krankenhaus Nordwest überfällig gewesen. Erklärtes Ziel ist laut Uta Meyding-Lamadé, deutsche Spitzenmedizin zum ,Exportschlager‘ zu machen. Der Zu gang zu medizinischer Versorgung wird „der kostbarste Rohstoff der Zukunft sein“, ist die Neurologin überzeugt. „Wir können diesen Rohstoff mindestens genauso gut exportieren wie deutsche Ingenieurskunst“, be tonte sie in ihrem Vortrag auf dem 6. Nationalen Fachkongress Telemedizin in Berlin im November 2015. Telemedizinische Schlaganfall-Netzwerke haben sich in Deutschland in vielen Bundesländern etabliert und bewährt.

Neues Informationsportal

Für interessierte Internetnutzer steht jetzt mit free-med ein neues Informationsportal zur Verfügung. Es ist das Ergebnis einer Initiative der 2003 gegründeten Ärztlichen Gesellschaft für Gesundheit und Prävention e. V. (ÄGGP, www.aeggp.de) und in Deutschland das erste Informations- und Kommunikationsportal für Patienten, die für medizinische Leistungen selbst die Kosten übernehmen. Neben einer Datenbank individueller Gesundheitsleistungen (IGEL) stellt free-med teilnehmenden Ärzten unter anderem ein online-Terminbuchungssystem und eine online-Videosprechstunde zur Verfügung. Das Portal ist eine Initiative von Ärzten für Patienten und Ärzte. Es soll über Angebot und Nachfrage freier Gesundheitsleistungen als Segment des wachsenden zweiten Gesundheitsmarkts zu mehr ärztlicher Kompetenz, Rechtssicherheit und fairem Umgang beitragen. Bestehende Informationslücken können so beseitigt werden. Das Internetportal bietet insbesondere eine fundierte Grundlage für eine an einer solchen Information interessierten Öffentlichkeit. Die Standardisierung, Objektivierung und Aktualisierung freier Gesundheitsleistungen (angelehnt an das Wikipedia-Prinzip) ist dabei die notwendige Voraussetzung für die Implementierung ärztlichen Sachverstands auf dem Gesundheitsmarkt und trägt zur Weiterentwicklung ambulanter Versorgung bei. Mit einer ständig aktualisierten Datenbank werden freie Gesundheitsleistungen (FGL) beschrieben. Sie helfen Patienten, Fragen zum Beispiel zu Kostenrahmen, Indikationen, Alternativen im GKV-System und Risiken zu beantworten. Mit dem online-Terminbuchungssystem und der online-Videosprechstunde erweitert free-med die Kommunikation zwischen Patient und Arzt und trägt so zu einer partnerschaftlichen Gestaltung der Patient-Arzt-Beziehung in der ambulanten Gesundheitsversorgung bei. Mit der Möglichkeit für Patienten, freie Gesundheitsleistungen zu bewerten und zu evaluieren sowie sich im Forum auszutauschen, erhebt die Website qualitative Rohdaten, die nach einer Quantifizierung die Grundlage zur Einrichtung eines Qualitätsmanagements schaffen können. Die ÄGGP e. V. übernimmt die wissenschaftliche Leitung des Projekts. Die Betreiber des Portals engagieren sich auch seit dem vergangenen Jahr in der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin und prä sentierten das Projekt auf dem 6. Nationalen Fachkongress Telemedizin im November 2015 in Berlin.

Video-Konsultation im Kommen

Seinen Arzt per Video zu konsultieren ist in den USA, Australien oder in Skandinavien bereits geübte Praxis. Internet-Konzerne wie Netscape und Google finanzieren Start-ups wie ,Doctor On Demand‘, teilweise übernehmen große private Krankenversicherungen die Kosten für ihre Versicherten. Auch in Deutschland gibt es mittlerweile mehrere Initia tiven von Ärzten und Unternehmen, die Online-Video-Sprechstunden mit Hausund Fachärzten vermitteln. Dazu gehören die Start-ups und DGTelemed-Mitglieder ‚arztkonsul - tation.de‘ und ,Patientus‘. Noch sind es allerdings erst wenige Ärzte, die es den Patienten ermöglichen, sie per Video zu kontaktieren; auf den meisten Plattformen liegen die Zahlen lediglich im zweistelligen Ber eich. Als erste deutsche Krankenkasse testet seit September 2015 die Techniker-Krankenkasse die Plattform Patientus. TKVer sicherte können darüber mit niederge lassenen Haut ärzten per Video Kontakt auf nehmen, müssen diese aber vorab persönlich konsultiert haben.