Presse - Oktober 2016

E-HEALTH-COM 06 2016, Seite 70

TELEMEDIZIN ALS EXPORTSCHLAGER

Mit der Gründung des Instituts für Internationale Medizin und Telemedizin will sich das Krankenhaus Nordwest in Frankfurt/Main global aufstellen und Spitzenmedizin aus Deutschland zum Exportschlager machen. Die seit 2010 bestehende Kooperation mit dem Sultanat Brunei wird für 10 Jahre fortgesetzt.

Bereits vor sechs Jahren wurde der erste Kooperationsvertrag mit dem Sultanat Brunei unterzeichnet. Inzwischen wurde in Brunei eine vollständig ausgestattete Station mit 35 Behandlungsplätzen, davon acht in der zertifizierten Stroke Unit, unter der Leitung von Professor Dr. med. Uta Meyding-Lamadé, Chefärztin der Klinik für Neurologie, errichtet. Hier werden auch Patienten in der Frührehabilitation nach einem Schlaganfall betreut. „Seit 2010 wurden rund 7 000 Patienten in Brunei behandelt und viele Menschenleben durch modernste Schlaganfallmedizin und neurologische Intensivmedizin auf Spitzenniveau gerettet. Inzwischen ist das ‚Brunei Neuroscience Stroke and Rehab Centre‘ nicht nur ein Leuchtturmprojekt in Brunei, sondern es zieht bereits Medizintouristen aus Thailand und Singapur an“, so Professor Meyding-Lamadé. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit des Krankenhauses Nordwest liegt in der Ausbildung von Fachkräften vor Ort. Dazu sind ständig ein Oberarzt, zwei Assistenzärzte, eine Pflegekraft, ein Physiotherapeut und einige Wochen im Jahr ein Ergotherapeut und ein Logopäde in Brunei. Darüber hinaus finden wöchentlich Fallbesprechungen über eine hochmoderne telemedizinische Anlage statt. Via Bildschirm können Ärzte aus dem Krankenhaus Nordwest direkt mit den Kollegen in Brunei sprechen und Befunde austauschen. Für die Nachbetreuung sind in Brunei eine Sozialarbeiterin und zwei Neuropsychologinnen im Einsatz, die die Patienten und ihre Angehörigen im Alltag begleiten und unterstützen. Für die Ausbildung von Fachärzten in der Neurologie wurde 2012 ein Facharzt-Curriculum mithilfe eines internationalen Experten-Gremiums der Universität Heidelberg und der Johns-Hopkins Universität in Baltimore, USA erstellt. Auch im Fach Neuroradiologie, unter der Leitung von Professor Bodo Kress, wird ausgebildet, um später interventionelle Eingriffe in Brunei vornehmen zu können. Nicht nur klinisch werden Ärzte ausgebildet, auch Forschungsprojekte werden telemedizinisch betreut und junge bruneiische Wissenschaftler ausgebildet. Mittels Tele-Science leitet Frau Dipl. Ing./Dipl. Biol./MBA Eva Craemer, Leiterin des Neurologischen Forschungslabors am Krankenhaus Nordwest, die Wissenschaftler an, Laborversuche werden zeitgleich durchgeführt, Ergebnisse analysiert und regelmäßige Besprechungen durchgeführt. Im Jahr 2015 gründete die Klinik ein Institut für Internationale Medizin und Telemedizin. Erklärtes Ziel ist laut Uta Meyding-Lamadé, deutsche Spitzenmedizin zum „Exportschlager“ zu machen. Der Zugang zu medizinischer Versorgung werde „der kostbarste Rohstoff der Zukunft“ sein, ist die Neurologin überzeugt: „Wir können diesen Rohstoff mindestens genauso gut exportieren wie deutsche Ingenieurskunst“, betonte sie in einem Vortrag auf dem 6. Nationalen Fachkongress Telemedizin im November 2015 in Berlin. Der jetzt unterzeichnete Kooperationsvertrag mit Brunei wurde bereits zum zweiten Mal nach 2012 verlängert und ist zum 1. Juli 2016 in Kraft getreten. „Dass der Vertrag nun für zehn Jahre abgeschlossen wurde, zeigt, dass unsere Partner in Brunei mit unserer bisherigen Arbeit zufrieden waren und weiter auf uns zählen. Für uns ist es Ansporn, das in uns gesetzte Vertrauen auch in den kommenden Jahren zu bestätigen“, kommentiert Tobias Gottschalk, Geschäftsführer des Krankenhauses Nordwest die Vertragsverlängerung. Das Krankenhaus Nordwest engagiert sich auch als Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin und unterstützt so mit Wissen, Expertise und internationalen Erfahrungen weitere Anwender in Deutschland.