Presse - März 2017

KTM - Krankenhaus Technik + Management 4/2017, Seiten 63-64

DGTelemed - Deutsche Gesellschaft für Telemedizin - Verbandsinformationen

Gesundheit 4.0 - NRW im digitalen Wandel

Am 10. Mai 2017 findet bereits zum sechsten Mal die ,Frühjahrstagung Telemedizin‘ im Haus der Ärzteschaft in Düsseldorf statt. Das diesjährige Motto lautet: Gesundheit 4.0 – NRW im digitalen Wandel. Digitalisierung und der Ausbau einer umfassenden Telematikinfrastruktur sind nach wie vor Megatrends in der Entwicklung eines zukunftsfähigen Gesundheitswesens. Inwieweit IT und medizinische Versorgung bereits fusionieren und welche Innovationen gerade in Nordrhein-Westfalen entwickelt werden und noch zu erwarten sind, steht dieses Jahr besonders im Fokus. Die Tagung wird von der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin e. V. in Kooperation mit der ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin GmbH veranstaltet. Diskutiert werden innovative Prozesse und aktuelle Lösungen im Bereich des digitalen Gesundheitswesens. Interessierte Besucher erwartet erneut ein spannendes Tagungsprogramm mit Vorträgen und Podiumsdiskussionen hochkarätiger Referenten. Außerdem stellen sich aktuelle Telemedizinprojekte aus NRW vor. NRWGesundheitsministerin Barbara Steffens eröffnet die kostenlose Fachtagung.

E-Health-Gesetz – Hürden und Ergebnisse

Das E-Health-Gesetz gibt den Start des Rollouts der Telematikinfrastruktur für Juli 2016 vor. Doch bis zu diesem Zeitpunkt hatten noch nicht einmal die Tests des Online-Stammdatenabgleichs begonnen. Anfang März 2017 hat die gematik jetzt den offiziellen Beginn der Online-Tests für die Region Nordwest gemeldet, die Region Südost soll im Frühjahr 2017 folgen. Wenn die Tests gut anlaufen, könnte der Rollout noch im Frühjahr oder im Sommer 2017 beginnen, also mit einem Jahr Verzögerung. Ob es zeitlich noch für die nächste Hürde beim Online-Stammdaten - abgleich, den Ärzte ab Juli 2018 flächendeckend vornehmen sollen, reicht, ist noch nicht sicher. Zur Förderung dieses Prozesses ist das Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen (E-Health-Gesetz) zum 29. Dezember 2015 in Kraft getreten. Ziel ist es, die Chancen der Digitalisierung für die Gesundheitsversorgung zu nutzen und schneller nutzbringende An wen dungen zu er möglichen. Die Organe der Selbstverwaltung er halten darin klare Vor ga ben und Fristen, die bei Nichteinhaltung zu Sank tionen führen werden. Die Schwerpunkte der Regelungen sind:

  • Anreize für die zügige Einführung und Nutzung medizinischer Anwendungen schaffen (modernes Versichertenstammdatenmanagement, Notfalldaten, elektronischer Arztbrief, einheitlicher Medikationsplan),
  • Telematikinfrastruktur öffnen und perspektivisch als maßgebliche sichere Infrastruktur für das deutsche Gesundheitswesen entwickeln,
  • Strukturen der gematik verbessern,
  • ein Interoperabilitätsverzeichnis zur Verbesserung der Kommunikation verschiedener IT-Systeme im Gesundheitswesen erstellen,
  • telemedizinische Leistungen fördern(Online-Videosprechstunde, telekonsiliarische Befundbeurteilung von Röntgenaufnahmen).

Parallel zur Einführung der Telematikinfrastruktur arbeitet das Bundesministerium für Gesundheit daran, die Einsatzmöglichkeiten der Telemedizin im praktischen Alltag zu verbessern. Ziel der bereits 2010 im Zusammenhang mit dem IT-Gipfelprozess vom Bundes ministerium für Gesundheit geg ründeten E-Health-Initiative ist es, Umsetzungshürden für die Etablierung von Telemedizinanwendungen zu identifizieren und Maßnahmenpakete zu deren Abbau zu erarbeiten.

Dazu wurde eine Struktur gewählt, die alle Organisationen einbindet, die an der späteren Übernahme und Umsetzung in die Regelversorgung beteiligt sein werden. Dies sind die Organisationen der Selbstverwaltung, aber auch die maßgeblichen Unternehmensverbände, zu denen auch die DGTelemed zählt. Die wichtigsten bisherigen Ergebnisse sind das Nationale Telemedizinportal, ein Kriterienkatalog für Zukunftsprojekte und die Planungsstudie Interoperabilität, deren wesentliche Elemente Berücksichtigung im E-Health-Gesetz gefunden haben. Vor dem Abschluss steht aktuell die im Rahmen der E-Health-Initiative erarbeitete Informationssicherheitsleitlinie für telemedizinische Anwendungen, die Anwendern und Umsetzern vor Ort möglichst einheitlich praktisch nutzbare Ansätze zur Herstellung von Datenschutz und Datensicherheit in telemedizinischen Projekten zur Verfügung stellen soll.

NRW will Vorreiter werden

Das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen möchte bei der Implementierung innovativer Versorgungskonzepte eine Vorreiterrolle spielen. „Wir wollen dem Bund zeigen, wie es besser geht“, sagte Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) auf dem Neujahrsempfang der Techniker Krankenkasse (TK) in NRW in Düsseldorf. Das Doppelwahljahr – Landtagswahlen in NRW und Bundestagswahlen – dürfe nicht zu einem gesundheitspolitischen Stillstand führen, forderte Steffens. Das Zusammenwirken aller Akteure sei wichtig, um erfolgversprechende Modelle weiterzubringen. Besonderen Handlungsbedarf sieht die Ministerin bei der sektorübergreifenden Versorgung: „Wir sollten uns in Nordrhein-Westfalen gemeinsam auf den Weg machen, um dem Bund Ideen vorzulegen, wie sektorübergreifende Versorgung funktionieren kann.“ Die Möglichkeiten von Telematik und Telemedizin müssten dabei eine wichtige Rolle spielen, ebenso wie die stärkere Patientenorientierung. Als Beispiel nannte die Ministerin das Projekt Telematik in der Intensivmedizin (TIM) am Universitätsklinikum Aachen. Die telemedizinische Kooperation der Klinik mit anderen Kranken häusern hat bereits zu spürbaren Erfolgen geführt, beispielsweise bei der Reduzierung der Sterblichkeit von Patienten nach einer Sepsis.

Um Fortschritte in der Versorgung erzielen zu können, müssen sich auch die Vergütungsstrukturen ändern, betonte der Leiter der TK-Landesvertretung und stellvertretende DGTelemed-Vorstandsvorsitzende Günter van Aalst. Das be ziehe sich sowohl auf die Vergütung in der sektorübergreifenden Versorgung als auch in Telemedizin und Telematik.

E-Health und Pneumologie

Ende Januar fand der 7. D-A-CHKongress für pneumologische Rehabilitation in Salzburg (Österreich) statt. Die Wirksamkeit der pneumologischen Rehabilitation für die verschiedensten Lungenerkrankungen ist mittlerweile unbestritten. Im R ahmen der Tagung wurden die Effekte der medikamentösen, der Sauerstoff- und der Heliumtherapie sowie der Rehabilitation auf die körperliche Aktivität, die Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität bei den unterschiedlichsten Lungenerkrankungen aufgezeigt. In einer Session am ersten Kongresstag wurde gemeinsam mit einem Patienten veranschaulicht, welches Training und welche körperliche Aktivität trotz Lungenerkrankung möglich sind. Ein Blick in die Zukunft zeigte neue Möglichkeiten der Rehabilitation wie Telemedizin und E-Health. Das geschäftsführende DGTelemed-Vorstandsmitglied Wolfgang Loos beantwortete hierzu in einem Vortrag die Fragen: E-Health 2017 – Wo stehen wir jetzt? Wo wollen wir hin? Der Kongress war mit mehr als 250 Teilnehmer aus dem D-A-CH-Raum gut besucht.

13. Auflage der Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft

Die Nationale Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft ist und bleibt eine Erfolgsgeschichte. Bereits zwölf Mal wurden Impulse gesetzt, Diskussionen angestoßen und Lösungsvorschläge für die weitere dynamische Entwicklung der Gesundheitsbranche formuliert. Und natürlich wurde sie genutzt, um Kooperationen zu festigen oder neue Kontakte zu knüpfen. Das wird wohl auch in diesem Jahr so sein. Rund 600 Teilnehmer aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Politik aus dem In- und Ausland werden im Seebad Hohe Düne in Rostock-Warnemünde erwartet. Als Gastland begrüßen die Veranstalter in diesem Jahr Estland. Die Konferenz steht unter dem Motto ,Gesundheit 2017 – Mensch und Markt in der Digitalen GesundheitsWelt‘. Dies ist ein aktuelles und anspruchsvolles Thema, das durchaus kontrovers diskutiert wird. Wie verändert die Digitalisierung die Arbeitswelt? Welche wirtschaftlichen Chancen können gestandene und neue Unternehmen in Zusammenarbeit mit Forschung und Entwicklung nutzen? Welche Konsequenzen ergeben sich aus der Digitalisierung für Arztpraxen und Krankenhäuser? Wie werden Patientenrechte und der Datenschutz gewährleistet? Auch die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin wird wieder vertreten sein.