Notfallreform: Nicht die Quote zählt, sondern die Versorgungsqualität
DGTelemed warnt: Notfallversorgung braucht intelligente Steuerung statt vorschneller Schlussfolgerungen
Berlin/Hannover, 5. November 2026: Die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin (DGTelemed) spricht sich angesichts der aktuellen Diskussion um den ärztlichen Bereitschaftsdienst in Niedersachsen für eine differenzierte Bewertung der Weiterleitungsquoten aus. Zugleich fordert sie, die Notfallversorgung durch intelligente Patientensteuerung, telemedizinische Angebote und plattformbasierte Vernetzung gezielt weiterzuentwickeln.
Aktuelle Berichte über gestiegene Weiterleitungsquoten von der Rufnummer 116117 an Krankenhausnotaufnahmen in Niedersachsen haben eine intensive Diskussion über die Qualität der Patientensteuerung ausgelöst. Niedersachsen diente als Vorbild für das neue Notfallreformgesetz. Dr. med. Sandra Dohmen, Mitglied im Vorstand der DGTelemed betont aber: „Die Verbindung von strukturierter Ersteinschätzung, telemedizinischer Behandlung und bedarfsgerechter Weiterleitung muss ein zentraler Baustein für eine zukunftsfähige Akut- und Notfallversorgung bleiben.“ Sie warnt deshalb davor, aus isolierten statistischen Veränderungen voreilige Rückschlüsse auf die grundsätzliche Leistungsfähigkeit dieser innovativen Form der telemedizinischen Akutversorgung zu ziehen. Annette Weinrich-Hempen, ebenfalls Mitglied im Vorstand der DGTelemed ergänzt: „Eine steigende Weiterleitungsquote ist weder ein Beleg für eine schlechtere noch für eine bessere Patientensteuerung. Entscheidend ist, ob Patientinnen und Patienten entsprechend ihrer medizinischen Dringlichkeit sicher, schnell und bedarfsgerecht versorgt werden“.
Eine höhere Zahl von Weiterleitungen an Krankenhausnotaufnahmen kann dabei unterschiedliche Ursachen haben. Sie kann beispielsweise auf eine veränderte Zusammensetzung der Anrufenden, aber auch auf eine zuverlässigere Erkennung medizinisch dringlicher Behandlungsbedarfe zurückzuführen sein. Beide Expertinnen verweisen zudem darauf, dass die an dieser Stelle hohe Patientenzufriedenheit ein wichtiges Signal für die Weiterentwicklung der Notfallversorgung darstellt.
Unter Verweis auf das Positionspapier der DGTelemed zur Notfallreform „Notfallversorgung vernetzt denken: Daten verfügbar machen, Telemedizin konsequent einbinden.“ stellt Sandra Dohmen klar: „Wir dürfen jetzt den nächsten Schritt nicht aus den Augen verlieren. Für die neue Aufgabenteilung in der Notfallmedizin, brauchen wir einen plattformbasierten Datentransfer.“
Bilder: ZTG GmbH/Artvertise
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