Nationaler Fachkongress Telemedizin 2026: Telemedizin als Schlüssel für ein resilientes und zukunftsfähiges Gesundheitssystem

DGTelemed fordert konsequente Einbindung digitaler und vernetzter Versorgungsstrukturen in die aktuellen Gesundheitsreformen

Berlin, 18. Mai 2026 – Der Nationale Fachkongress Telemedizin der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin e. V. (DGTelemed) hat in Berlin erneut deutlich gemacht, welche zentrale Rolle digitale und vernetzte Versorgungsstrukturen für die Zukunft des deutschen Gesundheitswesens spielen. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Gesundheitsversorgung, Selbstverwaltung und Wirtschaft diskutierten an zwei Kongresstagen aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze rund um die Telemedizin – von Künstlicher Intelligenz über Krankenhaus- und Notfallreformen bis hin zu Krisenvorsorge und Telemonitoring.

Zum Auftakt des Kongresses begrüßte der Vorstandsvorsitzende der DGTelemed, Prof. Dr. med. Gernot Marx, FRCA, die Teilnehmenden und betonte die wachsende Bedeutung der Telemedizin für ein leistungsfähiges und zukunftssicheres Gesundheitssystem. Gleichzeitig dankte er den Vorstandskolleginnen und -kollegen der Fachgesellschaft für ihr langjähriges Engagement bei der Weiterentwicklung telemedizinischer Versorgungskonzepte.

Im Mittelpunkt des ersten Kongresstages standen neben der Verleihung des Telemedizinpreises (siehe Pressemitteilung vom 12. Mai 2026) insbesondere die Potenziale Künstlicher Intelligenz in der Gesundheitsversorgung – sowohl in Zukunft als auch aktuell. Dabei wurde deutlich: Digitale Technologien tragen zunehmend dazu bei, Versorgungsqualität zu verbessern, medizinisches Personal zu entlasten und sektorübergreifende Zusammenarbeit zu stärken.

Der zweite Kongresstag widmete sich vor allem aktuellen gesundheitspolitischen Reformvorhaben zum Telemonitoring und der Frage, welche Rolle Telemedizin in im weitesten Sinne Krisensituationen einnehmen kann. In der einleitenden Keynote bedankte sich Philipp Müller, Leiter der Abteilung 5, Digitalisierung und Innovation im Bundesministerium für Gesundheit (BMG), explizit bei der DGTelemed für das langjährige intensive Engagement und die Zusammenarbeit. Er betonte, auch in Zukunft auf ihren Input zu bauen. Im weiteren Verlauf des Vormittags standen die Krankenhaus- und Notfallreform sowie das Thema „Preparedness“, also die Vorbereitung des Gesundheitswesens auf Krisen- und Belastungssituationen, im Fokus.

Aus Sicht der DGTelemed zeigt sich gerade bei der Krankenhaus- und Notfallreform die Relevanz telemedizinischer Strukturen für die Sicherung der Versorgungsqualität – insbesondere in ländlichen Regionen und in zeitkritischen Notfallsituationen. Telemedizin ermögliche es, medizinische Expertise standortunabhängig verfügbar zu machen, Versorgungseinrichtungen besser zu vernetzen und knappe personelle Ressourcen effizienter einzusetzen. Ein Best-Practice-Beispiel ist in diesem Sinne die telemedizinische Offshore-Versorgung, zur Vermeidung von medizinischen Evakuationen

Mit Blick auf mögliche Krisenszenarien wurde zudem hervorgehoben, dass belastbare telemedizinische Netzwerke ein wesentlicher Bestandteil resilienter Gesundheitssysteme seien. Szenarien mit einem massiven zusätzlichen Patientenaufkommen könnten künftig nur bewältigt werden, wenn vorhandene Kapazitäten digital unterstützt koordiniert und sektorübergreifend genutzt würden. Entscheidend seien hierfür belastbare Kooperationen, die Bündelung unterschiedlicher Expertisen sowie eine frühzeitige Vorbereitung statt reiner Reaktion im Krisenfall.

Darüber hinaus wurde in einer gemeinsamen Themensession von DGTelemed und dem Medizintechnikverband Spectaris ein besonderer Versorgungsbeitrag des Telemonitorings diskutiert. Demnach gibt es hohe Evidenz dafür, dass Telemonitoring die Therapietreue in der Schlafapnoe signifikant verbessert und so für eine möglichst effiziente Ressourcennutzung sorgt. Dafür ist eine datenbasierte Zusammenarbeit von Ärzt:innen und Hilfsmittelerbringer:innen von zentraler Bedeutung. Die Rahmenbedingungen müssen dafür aber noch weiterentwickelt werden.

Die DGTelemed appellierte deshalb im Rahmen des Kongresses an Politik und Akteur:innen des Gesundheitswesens, digitale und vernetzte Versorgungsstrukturen bei den aktuellen Reform- und Konsolidierungsmaßnahmen konsequent mitzudenken.

 

Bilder: DGTelemed

 

Bildunterschrift: v.l.n.r. Philipp Müller, Abteilungsleiter im Bundesministerium für Gesundheit, bei seiner Keynote. Prof. Dr. med. Gernot Marx, FRCA, DGTelemed-Vorstandsvorsitzender, bei seiner Begrüßungsrede.